Duell
Getroffen sinkt Saliénne zu Boden, der Schmerz überwältigt sie fast und sie keucht, während in ihrem Kopf nur ein einziger Satz widerhallt: Steh auf und konzentrier dich! Steh... auf! Konzentrier... dich! Das Atmen fällt ihr schwer und sie spürt ihre Beine zittern. Der Saum ihrer Robe ist verbrannt und ihre Stiefel stehen kurz davor, die versengten Sohlen zu verlieren, aber sie hat keine Zeit, jetzt darauf zu achten. Die Ärmel des weißen Hemdes sind gefroren und hängen schwer auf ihre schmerzenden, kalten Hände.
„Hast du endlich genug?“ erklingt die höhnische Stimme des Mannes vor ihr und jede Faser in ihr sehnt sich danach, aufzugeben und einfach liegen zu bleiben. Aber sie reißt sich zusammen und kommt schwankend auf die Beine. Sie verengt die Augen, um besser sehen zu können und die Sterne, die vor ihren Augen zu tanzen scheinen, zu vertreiben.
„Noch lange nicht. Ist das alles, was du kannst?“ Sie schafft es, ihrer Stimme einen herausfordernden Klang zu geben und gleich darauf beginnt sie, leise murmelnd, einen Zauber zu intonieren. Die blaue, eisige Kugel in ihren Händen wächst und schließlich schießt das tödliche Geschoss auf den Hexer zu. Auch seine Robe ist verbrannt und kleine rauchende Löcher sind überall im Stoff. Er wirft sich zur Seite, so dass ihn der Frostblitz nur am Arm trifft, aber das Eis breitet sich über den Arm aus und friert seine linke Körperhälfte ein. Sie kann sehen, wie schwer es ihm fällt, sich zu bewegen und als er auf sie zugeht, zieht er die linke Seite deutlich nach. Sie weicht zurück und murmelt erneut leise. Ein Eisring bildet sich um die Füße des Widersachers und sein Vormarsch wird abrupt gestoppt. Aber auch er murmelt und Sally versucht herauszufinden, was er vorhat. Sie sieht ihn zwar seine Hände bewegen, aber die Beschwörung ist ihr unbekannt und keine Schatten bilden sich zwischen seinen Händen. Was soll das? Was hat er vor?
Und dann spürt sie es: ein Ziehen in ihrem Kopf, eine Dunkelheit, die wie mit schwarzen Fingern nach ihr greift und an ihr zieht und ein Gefühl von Hoffnungslosigkeit in ihr hinterlässt. Es ist, als hörte sie leise Stimmen von Aufgabe, Niederlage und Einsamkeit flüstern, aber sie weiß, irgendwo in einem hinteren Teil ihres sich zurückziehenden Verstandes, das es nur eine Illusion ist. Ein Fluch, der Gebrechen und Schwäche auf sie herab beschwören soll. Sie stemmt sich dem entgegen und versucht, sich an den Gegenzauber zu erinnern. Es ist lange her, dass sie einen Fluch entfernt hat, normalerweise kämpfen die Hexer auf ihrer Seite. Sie spricht die notwendigen Worte, vollführt die richtigen Gesten und spürt augenblicklich, wie die Wirkung nachlässt und die Stimmen verklingen. Sie richtet sich auf, strafft die Schultern und zittert, diesmal vor unterdrückter Wut. Was fällt diesem Kerl eigentlich ein? Ihr verbieten zu wollen, zu reiten wo sie es wünscht! Und dann auch noch diesen unsäglich dummen Kampf heraufzubeschwören. Sie hätte sich nicht darauf eingelassen, hätte ihren Säbler gewendet und wäre einfach weitergeritten, wenn nicht in dem unzusammenhängenden Gefasel des Mannes ein Satz gefallen wäre, der ihre Aufmerksamkeit geweckt hatte. In den irren Sätzen des Hexers von einem Krieg, auf den er sich vorbereite und irgendeiner Armee, die sich hier formiere, hatte er nebenbei auch etwas über seinen Lehrmeister gesagt. Und das war derjenige, den Saliénne seit Monaten zu finden hoffte. Allerdings war er nicht bereit gewesen, ihre Fragen diesbezüglich zu beantworten und hatte stattdessen wieder über irgendwelche Streitigkeiten mit irgendwelchen Leuten gesprochen, die sie nicht kannte und die ihr herzlich egal waren. Sollten sie sich doch hier gegenseitig niedermetzeln und das Land in Schutt und Asche legen, ihr wars egal. Aber diesen Kerl wollte sie finden, koste es, was es wolle. Und in diesem Fall schien der Preis ein Duell mit dem Hexer zu sein, der sein Schüler gewesen war.
Dabei kennen sie sich, nicht gut und nicht namentlich, aber sie weiß, dass er ebenfalls auf Nethergarde gedient hat. Sie haben einander erkannt, als sie beide ihre Masken abgenommen hatten, aber dennoch stehen sie nun hier auf diesem Hügel und bekämpfen sich so erbittert, das sich nicht einmal die Berglöwen und Bären näher trauen. Aufgeben kommt nicht in Frage, Versagen ist keine Option, die in ihrem Sprachschatz Platz findet. Sie nimmt die Wut und den Zorn und legt sie in den nächsten Zauber. Einige Sekunden später tobt ein Sturm über der Stelle, an der der Hexer steht und kinderfaustgroße Hagelkörner prasseln auf Kopf und Schultern des Mannes. Sie sieht, wie er getroffen wird und sich unter dem Sturm duckt und versucht, auszuweichen, aber er hat keine Chance, zu entkommen und wankt unter dem niederfallenden Eis.
„Na, hast du jetzt genug?“ Sie ahmt seinen Tonfall nach und grinst böse, lässt sich nicht anmerken, dass sie noch immer Schmerzen hat. Er schüttelt den Kopf und grinst ebenfalls. Sein Grinsen hat etwas Wahnsinniges an sich und Sally schaudert leicht. „Er ist irre... ganz einfach irre,“ denkt sie. Wenn sie so weitermachen, wird einer von ihnen sterben oder vielleicht auch sie beide. Möglicherweise schafft er es aber auch, sie mit einem seiner Flüche über die Klippe des Wahnsinns zu stoßen. Sie hat ohnehin schon das Gefühl, am Rande zu stehen und dieser unnötige Kampf hier ist nur ein weiterer Beweis dafür, dass sie sich nicht unter Kontrolle hat.
Es muss etwas passieren. Saliénne überlegt fieberhaft, was sie tun kann. Mit Magie und Stärke ist hier nichts zu gewinnen, darin sind sie sich ebenbürtig. Während sie ihren Schild aufrechterhält, beschließt sie, ihre Taktik zu ändern und auf seinen Wahnsinn zu vertrauen. Eine zweifelhafte Taktik, aber immerhin der Hauch einer Chance.
Sie geht einige Schritte auf den Mann zu und hebt beide Hände neben ihren Kopf, um zu zeigen, dass sie weder zaubert, noch einen sonstigen Trick versucht.
„Ich bin es leid! Töte mich, wenn Du kannst... “
Der Hexer lässt überrascht die Arme sinken und unterbricht den Fluch, den er gerade sprechen wollte. Er sieht sie prüfend an und kneift misstrauisch die Augen zusammen. „Ich würde dich töten... und dann lasse ich dich wieder aufstehen, das ist schlimmer als der Tod.“ Sally hat keine Ahnung, wovon er spricht, sie kann sich aber vorstellen, dass er Recht hat. Wie auch immer, sie hat nicht vor, hier und jetzt ihr Leben auszuhauchen wegen eines dummen Streits und ärgerlicher Rechthaberei.
Sie zieht die weiße Robe am Kragen nach unten und entblößt Hals und Schlüsselbein, während sie noch ein paar Schritte auf ihn zugeht.
„Na los... oder kannst du es etwa nicht?“ Sie hofft, dass sie sich nicht verrechnet hat, hofft inständig, dass sie sich nicht getäuscht hat. Der Mann grinst erneut und hebt die Hand, die Handfläche ihr zugewandt. Eine dünne, grün leuchtende Linie entspringt der Handfläche und schlängelt sich auf sie zu. Nur kurz trifft sie das Ende in die Brust, aber der Moment reicht, um sie wieder zu Boden zu werfen. Diesen Zauber kennt sie, sie hat ihn auf Nethergarde oft gesehen. Er saugt Lebenskraft aus seinen Opfern und lässt sie als leere Hülle aus Haut und Knochen zurück. „Er tut es... du hast dich verrechnet“ denkt sie verzweifelt, bevor sie ihre Barriere wieder zu festigen vermag. Der Kontakt reißt ab und Sally atmet schwer und schließt die Augen, vollkommen darauf konzentriert, den Schild zu halten.
Als sie die Augen wieder öffnet, steht der Hexer über ihr, ohne irgendetwas zu tun. Er grinst nicht mehr, aber das Misstrauen ist noch nicht aus seinem Gesicht gewichen. Sally beschließt, endlich zum Punkt zum kommen, damit das hier endlich endet.
„Du hast vorhin etwas über deinen Lehrmeister gesagt. Ich suche ihn, sag mir, wo ich ihn finden kann und ich werde deine Länder nicht mehr betreten.“
„Niemals wieder wirst du hier lang reiten, oder es wird anders enden, als heute, sei versichert.“ Jetzt grinst er wieder sardonisch und tut, als müsse er überlegen.
„Es gäbe da aber eine Möglichkeit, dir mit den Informationen auszuhelfen, die du offensichtlich so dringend haben willst.“ Er betrachtet desinteressiert seine Fingernägel, wendet dann den Blick und schaut Saliénne in die Augen. Sie steht auf und unterdrückt das Zittern ihrer Beine so gut es geht. Jetzt nur keine Schwäche zeigen. Sie reckt das Kinn vor und bedeutet ihm mit einer kurzen Kopfbewegung, weiter zu sprechen.
„Du bist stark, Magierin. Lass mich dir helfen, deine Kräfte noch besser zu nutzen. Geh bei mir in die Lehre und dann vielleicht... eventuell...“ Er beendet den Satz nicht, macht nur eine ausschweifende Geste. Sally schüttelt abfällig den Kopf. „Du willst Unterstützung für diesen Krieg, das ist alles. Aber dazu kriegst du mich nicht, deine Streitigkeiten interessieren mich nicht.“ Der Hexer lacht wohlklingend und er scheint ehrlich amüsiert. „Bis du soweit bist, ein brauchbares Heer aufzustellen, ist mein Krieg längst gewonnen, dummes Kind.“ Er schüttelt den Kopf. „Ich würde dir beibringen, Tod und Zerstörung zu bringen, Verzweiflung zu säen und Verderben zu beschwören, wann es dir beliebt.“ Er schaut sie mit einem Blick an, der deutlich macht, dass er soeben sehr großzügig war und er selber sehr zufrieden mit sich ist.
Saliénne schaut ihn misstrauisch an. Warum sollte sie auf sein Angebot angehen? Warum zum Teufel macht er es überhaupt? Da ist was faul, das spürt sie genau.
„Wie soll das gehen? Was glaubst du, könntest du mich lehren, was ich nicht schon auf andere Art beherrsche?“ Sie schnaubt ärgerlich.
Der Mann bringt sein Gesicht so dicht an ihres, das sie seinen Atem auf der Wange spürt und flüstert heiser ein einzelnes Wort in ihr Ohr. Sally atmet bei diesem Wort scharf ein und unterdrückt ein leises Schwindelgefühl. Entsetzt sieht sie ihn an, das kann er einfach nicht ernst meinen.
„Hast du endlich genug?“ erklingt die höhnische Stimme des Mannes vor ihr und jede Faser in ihr sehnt sich danach, aufzugeben und einfach liegen zu bleiben. Aber sie reißt sich zusammen und kommt schwankend auf die Beine. Sie verengt die Augen, um besser sehen zu können und die Sterne, die vor ihren Augen zu tanzen scheinen, zu vertreiben.
„Noch lange nicht. Ist das alles, was du kannst?“ Sie schafft es, ihrer Stimme einen herausfordernden Klang zu geben und gleich darauf beginnt sie, leise murmelnd, einen Zauber zu intonieren. Die blaue, eisige Kugel in ihren Händen wächst und schließlich schießt das tödliche Geschoss auf den Hexer zu. Auch seine Robe ist verbrannt und kleine rauchende Löcher sind überall im Stoff. Er wirft sich zur Seite, so dass ihn der Frostblitz nur am Arm trifft, aber das Eis breitet sich über den Arm aus und friert seine linke Körperhälfte ein. Sie kann sehen, wie schwer es ihm fällt, sich zu bewegen und als er auf sie zugeht, zieht er die linke Seite deutlich nach. Sie weicht zurück und murmelt erneut leise. Ein Eisring bildet sich um die Füße des Widersachers und sein Vormarsch wird abrupt gestoppt. Aber auch er murmelt und Sally versucht herauszufinden, was er vorhat. Sie sieht ihn zwar seine Hände bewegen, aber die Beschwörung ist ihr unbekannt und keine Schatten bilden sich zwischen seinen Händen. Was soll das? Was hat er vor?
Und dann spürt sie es: ein Ziehen in ihrem Kopf, eine Dunkelheit, die wie mit schwarzen Fingern nach ihr greift und an ihr zieht und ein Gefühl von Hoffnungslosigkeit in ihr hinterlässt. Es ist, als hörte sie leise Stimmen von Aufgabe, Niederlage und Einsamkeit flüstern, aber sie weiß, irgendwo in einem hinteren Teil ihres sich zurückziehenden Verstandes, das es nur eine Illusion ist. Ein Fluch, der Gebrechen und Schwäche auf sie herab beschwören soll. Sie stemmt sich dem entgegen und versucht, sich an den Gegenzauber zu erinnern. Es ist lange her, dass sie einen Fluch entfernt hat, normalerweise kämpfen die Hexer auf ihrer Seite. Sie spricht die notwendigen Worte, vollführt die richtigen Gesten und spürt augenblicklich, wie die Wirkung nachlässt und die Stimmen verklingen. Sie richtet sich auf, strafft die Schultern und zittert, diesmal vor unterdrückter Wut. Was fällt diesem Kerl eigentlich ein? Ihr verbieten zu wollen, zu reiten wo sie es wünscht! Und dann auch noch diesen unsäglich dummen Kampf heraufzubeschwören. Sie hätte sich nicht darauf eingelassen, hätte ihren Säbler gewendet und wäre einfach weitergeritten, wenn nicht in dem unzusammenhängenden Gefasel des Mannes ein Satz gefallen wäre, der ihre Aufmerksamkeit geweckt hatte. In den irren Sätzen des Hexers von einem Krieg, auf den er sich vorbereite und irgendeiner Armee, die sich hier formiere, hatte er nebenbei auch etwas über seinen Lehrmeister gesagt. Und das war derjenige, den Saliénne seit Monaten zu finden hoffte. Allerdings war er nicht bereit gewesen, ihre Fragen diesbezüglich zu beantworten und hatte stattdessen wieder über irgendwelche Streitigkeiten mit irgendwelchen Leuten gesprochen, die sie nicht kannte und die ihr herzlich egal waren. Sollten sie sich doch hier gegenseitig niedermetzeln und das Land in Schutt und Asche legen, ihr wars egal. Aber diesen Kerl wollte sie finden, koste es, was es wolle. Und in diesem Fall schien der Preis ein Duell mit dem Hexer zu sein, der sein Schüler gewesen war.
Dabei kennen sie sich, nicht gut und nicht namentlich, aber sie weiß, dass er ebenfalls auf Nethergarde gedient hat. Sie haben einander erkannt, als sie beide ihre Masken abgenommen hatten, aber dennoch stehen sie nun hier auf diesem Hügel und bekämpfen sich so erbittert, das sich nicht einmal die Berglöwen und Bären näher trauen. Aufgeben kommt nicht in Frage, Versagen ist keine Option, die in ihrem Sprachschatz Platz findet. Sie nimmt die Wut und den Zorn und legt sie in den nächsten Zauber. Einige Sekunden später tobt ein Sturm über der Stelle, an der der Hexer steht und kinderfaustgroße Hagelkörner prasseln auf Kopf und Schultern des Mannes. Sie sieht, wie er getroffen wird und sich unter dem Sturm duckt und versucht, auszuweichen, aber er hat keine Chance, zu entkommen und wankt unter dem niederfallenden Eis.
„Na, hast du jetzt genug?“ Sie ahmt seinen Tonfall nach und grinst böse, lässt sich nicht anmerken, dass sie noch immer Schmerzen hat. Er schüttelt den Kopf und grinst ebenfalls. Sein Grinsen hat etwas Wahnsinniges an sich und Sally schaudert leicht. „Er ist irre... ganz einfach irre,“ denkt sie. Wenn sie so weitermachen, wird einer von ihnen sterben oder vielleicht auch sie beide. Möglicherweise schafft er es aber auch, sie mit einem seiner Flüche über die Klippe des Wahnsinns zu stoßen. Sie hat ohnehin schon das Gefühl, am Rande zu stehen und dieser unnötige Kampf hier ist nur ein weiterer Beweis dafür, dass sie sich nicht unter Kontrolle hat.
Es muss etwas passieren. Saliénne überlegt fieberhaft, was sie tun kann. Mit Magie und Stärke ist hier nichts zu gewinnen, darin sind sie sich ebenbürtig. Während sie ihren Schild aufrechterhält, beschließt sie, ihre Taktik zu ändern und auf seinen Wahnsinn zu vertrauen. Eine zweifelhafte Taktik, aber immerhin der Hauch einer Chance.
Sie geht einige Schritte auf den Mann zu und hebt beide Hände neben ihren Kopf, um zu zeigen, dass sie weder zaubert, noch einen sonstigen Trick versucht.
„Ich bin es leid! Töte mich, wenn Du kannst... “
Der Hexer lässt überrascht die Arme sinken und unterbricht den Fluch, den er gerade sprechen wollte. Er sieht sie prüfend an und kneift misstrauisch die Augen zusammen. „Ich würde dich töten... und dann lasse ich dich wieder aufstehen, das ist schlimmer als der Tod.“ Sally hat keine Ahnung, wovon er spricht, sie kann sich aber vorstellen, dass er Recht hat. Wie auch immer, sie hat nicht vor, hier und jetzt ihr Leben auszuhauchen wegen eines dummen Streits und ärgerlicher Rechthaberei.
Sie zieht die weiße Robe am Kragen nach unten und entblößt Hals und Schlüsselbein, während sie noch ein paar Schritte auf ihn zugeht.
„Na los... oder kannst du es etwa nicht?“ Sie hofft, dass sie sich nicht verrechnet hat, hofft inständig, dass sie sich nicht getäuscht hat. Der Mann grinst erneut und hebt die Hand, die Handfläche ihr zugewandt. Eine dünne, grün leuchtende Linie entspringt der Handfläche und schlängelt sich auf sie zu. Nur kurz trifft sie das Ende in die Brust, aber der Moment reicht, um sie wieder zu Boden zu werfen. Diesen Zauber kennt sie, sie hat ihn auf Nethergarde oft gesehen. Er saugt Lebenskraft aus seinen Opfern und lässt sie als leere Hülle aus Haut und Knochen zurück. „Er tut es... du hast dich verrechnet“ denkt sie verzweifelt, bevor sie ihre Barriere wieder zu festigen vermag. Der Kontakt reißt ab und Sally atmet schwer und schließt die Augen, vollkommen darauf konzentriert, den Schild zu halten.
Als sie die Augen wieder öffnet, steht der Hexer über ihr, ohne irgendetwas zu tun. Er grinst nicht mehr, aber das Misstrauen ist noch nicht aus seinem Gesicht gewichen. Sally beschließt, endlich zum Punkt zum kommen, damit das hier endlich endet.
„Du hast vorhin etwas über deinen Lehrmeister gesagt. Ich suche ihn, sag mir, wo ich ihn finden kann und ich werde deine Länder nicht mehr betreten.“
„Niemals wieder wirst du hier lang reiten, oder es wird anders enden, als heute, sei versichert.“ Jetzt grinst er wieder sardonisch und tut, als müsse er überlegen.
„Es gäbe da aber eine Möglichkeit, dir mit den Informationen auszuhelfen, die du offensichtlich so dringend haben willst.“ Er betrachtet desinteressiert seine Fingernägel, wendet dann den Blick und schaut Saliénne in die Augen. Sie steht auf und unterdrückt das Zittern ihrer Beine so gut es geht. Jetzt nur keine Schwäche zeigen. Sie reckt das Kinn vor und bedeutet ihm mit einer kurzen Kopfbewegung, weiter zu sprechen.
„Du bist stark, Magierin. Lass mich dir helfen, deine Kräfte noch besser zu nutzen. Geh bei mir in die Lehre und dann vielleicht... eventuell...“ Er beendet den Satz nicht, macht nur eine ausschweifende Geste. Sally schüttelt abfällig den Kopf. „Du willst Unterstützung für diesen Krieg, das ist alles. Aber dazu kriegst du mich nicht, deine Streitigkeiten interessieren mich nicht.“ Der Hexer lacht wohlklingend und er scheint ehrlich amüsiert. „Bis du soweit bist, ein brauchbares Heer aufzustellen, ist mein Krieg längst gewonnen, dummes Kind.“ Er schüttelt den Kopf. „Ich würde dir beibringen, Tod und Zerstörung zu bringen, Verzweiflung zu säen und Verderben zu beschwören, wann es dir beliebt.“ Er schaut sie mit einem Blick an, der deutlich macht, dass er soeben sehr großzügig war und er selber sehr zufrieden mit sich ist.
Saliénne schaut ihn misstrauisch an. Warum sollte sie auf sein Angebot angehen? Warum zum Teufel macht er es überhaupt? Da ist was faul, das spürt sie genau.
„Wie soll das gehen? Was glaubst du, könntest du mich lehren, was ich nicht schon auf andere Art beherrsche?“ Sie schnaubt ärgerlich.
Der Mann bringt sein Gesicht so dicht an ihres, das sie seinen Atem auf der Wange spürt und flüstert heiser ein einzelnes Wort in ihr Ohr. Sally atmet bei diesem Wort scharf ein und unterdrückt ein leises Schwindelgefühl. Entsetzt sieht sie ihn an, das kann er einfach nicht ernst meinen.
Salienne - 15. Mrz, 14:09










