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Donnerstag, 15. März 2007

Duell

Getroffen sinkt Saliénne zu Boden, der Schmerz überwältigt sie fast und sie keucht, während in ihrem Kopf nur ein einziger Satz widerhallt: Steh auf und konzentrier dich! Steh... auf! Konzentrier... dich! Das Atmen fällt ihr schwer und sie spürt ihre Beine zittern. Der Saum ihrer Robe ist verbrannt und ihre Stiefel stehen kurz davor, die versengten Sohlen zu verlieren, aber sie hat keine Zeit, jetzt darauf zu achten. Die Ärmel des weißen Hemdes sind gefroren und hängen schwer auf ihre schmerzenden, kalten Hände.
„Hast du endlich genug?“ erklingt die höhnische Stimme des Mannes vor ihr und jede Faser in ihr sehnt sich danach, aufzugeben und einfach liegen zu bleiben. Aber sie reißt sich zusammen und kommt schwankend auf die Beine. Sie verengt die Augen, um besser sehen zu können und die Sterne, die vor ihren Augen zu tanzen scheinen, zu vertreiben.
„Noch lange nicht. Ist das alles, was du kannst?“ Sie schafft es, ihrer Stimme einen herausfordernden Klang zu geben und gleich darauf beginnt sie, leise murmelnd, einen Zauber zu intonieren. Die blaue, eisige Kugel in ihren Händen wächst und schließlich schießt das tödliche Geschoss auf den Hexer zu. Auch seine Robe ist verbrannt und kleine rauchende Löcher sind überall im Stoff. Er wirft sich zur Seite, so dass ihn der Frostblitz nur am Arm trifft, aber das Eis breitet sich über den Arm aus und friert seine linke Körperhälfte ein. Sie kann sehen, wie schwer es ihm fällt, sich zu bewegen und als er auf sie zugeht, zieht er die linke Seite deutlich nach. Sie weicht zurück und murmelt erneut leise. Ein Eisring bildet sich um die Füße des Widersachers und sein Vormarsch wird abrupt gestoppt. Aber auch er murmelt und Sally versucht herauszufinden, was er vorhat. Sie sieht ihn zwar seine Hände bewegen, aber die Beschwörung ist ihr unbekannt und keine Schatten bilden sich zwischen seinen Händen. Was soll das? Was hat er vor?

Und dann spürt sie es: ein Ziehen in ihrem Kopf, eine Dunkelheit, die wie mit schwarzen Fingern nach ihr greift und an ihr zieht und ein Gefühl von Hoffnungslosigkeit in ihr hinterlässt. Es ist, als hörte sie leise Stimmen von Aufgabe, Niederlage und Einsamkeit flüstern, aber sie weiß, irgendwo in einem hinteren Teil ihres sich zurückziehenden Verstandes, das es nur eine Illusion ist. Ein Fluch, der Gebrechen und Schwäche auf sie herab beschwören soll. Sie stemmt sich dem entgegen und versucht, sich an den Gegenzauber zu erinnern. Es ist lange her, dass sie einen Fluch entfernt hat, normalerweise kämpfen die Hexer auf ihrer Seite. Sie spricht die notwendigen Worte, vollführt die richtigen Gesten und spürt augenblicklich, wie die Wirkung nachlässt und die Stimmen verklingen. Sie richtet sich auf, strafft die Schultern und zittert, diesmal vor unterdrückter Wut. Was fällt diesem Kerl eigentlich ein? Ihr verbieten zu wollen, zu reiten wo sie es wünscht! Und dann auch noch diesen unsäglich dummen Kampf heraufzubeschwören. Sie hätte sich nicht darauf eingelassen, hätte ihren Säbler gewendet und wäre einfach weitergeritten, wenn nicht in dem unzusammenhängenden Gefasel des Mannes ein Satz gefallen wäre, der ihre Aufmerksamkeit geweckt hatte. In den irren Sätzen des Hexers von einem Krieg, auf den er sich vorbereite und irgendeiner Armee, die sich hier formiere, hatte er nebenbei auch etwas über seinen Lehrmeister gesagt. Und das war derjenige, den Saliénne seit Monaten zu finden hoffte. Allerdings war er nicht bereit gewesen, ihre Fragen diesbezüglich zu beantworten und hatte stattdessen wieder über irgendwelche Streitigkeiten mit irgendwelchen Leuten gesprochen, die sie nicht kannte und die ihr herzlich egal waren. Sollten sie sich doch hier gegenseitig niedermetzeln und das Land in Schutt und Asche legen, ihr wars egal. Aber diesen Kerl wollte sie finden, koste es, was es wolle. Und in diesem Fall schien der Preis ein Duell mit dem Hexer zu sein, der sein Schüler gewesen war.

Dabei kennen sie sich, nicht gut und nicht namentlich, aber sie weiß, dass er ebenfalls auf Nethergarde gedient hat. Sie haben einander erkannt, als sie beide ihre Masken abgenommen hatten, aber dennoch stehen sie nun hier auf diesem Hügel und bekämpfen sich so erbittert, das sich nicht einmal die Berglöwen und Bären näher trauen. Aufgeben kommt nicht in Frage, Versagen ist keine Option, die in ihrem Sprachschatz Platz findet. Sie nimmt die Wut und den Zorn und legt sie in den nächsten Zauber. Einige Sekunden später tobt ein Sturm über der Stelle, an der der Hexer steht und kinderfaustgroße Hagelkörner prasseln auf Kopf und Schultern des Mannes. Sie sieht, wie er getroffen wird und sich unter dem Sturm duckt und versucht, auszuweichen, aber er hat keine Chance, zu entkommen und wankt unter dem niederfallenden Eis.
„Na, hast du jetzt genug?“ Sie ahmt seinen Tonfall nach und grinst böse, lässt sich nicht anmerken, dass sie noch immer Schmerzen hat. Er schüttelt den Kopf und grinst ebenfalls. Sein Grinsen hat etwas Wahnsinniges an sich und Sally schaudert leicht. „Er ist irre... ganz einfach irre,“ denkt sie. Wenn sie so weitermachen, wird einer von ihnen sterben oder vielleicht auch sie beide. Möglicherweise schafft er es aber auch, sie mit einem seiner Flüche über die Klippe des Wahnsinns zu stoßen. Sie hat ohnehin schon das Gefühl, am Rande zu stehen und dieser unnötige Kampf hier ist nur ein weiterer Beweis dafür, dass sie sich nicht unter Kontrolle hat.
Es muss etwas passieren. Saliénne überlegt fieberhaft, was sie tun kann. Mit Magie und Stärke ist hier nichts zu gewinnen, darin sind sie sich ebenbürtig. Während sie ihren Schild aufrechterhält, beschließt sie, ihre Taktik zu ändern und auf seinen Wahnsinn zu vertrauen. Eine zweifelhafte Taktik, aber immerhin der Hauch einer Chance.

Sie geht einige Schritte auf den Mann zu und hebt beide Hände neben ihren Kopf, um zu zeigen, dass sie weder zaubert, noch einen sonstigen Trick versucht.
„Ich bin es leid! Töte mich, wenn Du kannst... “
Der Hexer lässt überrascht die Arme sinken und unterbricht den Fluch, den er gerade sprechen wollte. Er sieht sie prüfend an und kneift misstrauisch die Augen zusammen. „Ich würde dich töten... und dann lasse ich dich wieder aufstehen, das ist schlimmer als der Tod.“ Sally hat keine Ahnung, wovon er spricht, sie kann sich aber vorstellen, dass er Recht hat. Wie auch immer, sie hat nicht vor, hier und jetzt ihr Leben auszuhauchen wegen eines dummen Streits und ärgerlicher Rechthaberei.
Sie zieht die weiße Robe am Kragen nach unten und entblößt Hals und Schlüsselbein, während sie noch ein paar Schritte auf ihn zugeht.
„Na los... oder kannst du es etwa nicht?“ Sie hofft, dass sie sich nicht verrechnet hat, hofft inständig, dass sie sich nicht getäuscht hat. Der Mann grinst erneut und hebt die Hand, die Handfläche ihr zugewandt. Eine dünne, grün leuchtende Linie entspringt der Handfläche und schlängelt sich auf sie zu. Nur kurz trifft sie das Ende in die Brust, aber der Moment reicht, um sie wieder zu Boden zu werfen. Diesen Zauber kennt sie, sie hat ihn auf Nethergarde oft gesehen. Er saugt Lebenskraft aus seinen Opfern und lässt sie als leere Hülle aus Haut und Knochen zurück. „Er tut es... du hast dich verrechnet“ denkt sie verzweifelt, bevor sie ihre Barriere wieder zu festigen vermag. Der Kontakt reißt ab und Sally atmet schwer und schließt die Augen, vollkommen darauf konzentriert, den Schild zu halten.

Als sie die Augen wieder öffnet, steht der Hexer über ihr, ohne irgendetwas zu tun. Er grinst nicht mehr, aber das Misstrauen ist noch nicht aus seinem Gesicht gewichen. Sally beschließt, endlich zum Punkt zum kommen, damit das hier endlich endet.
„Du hast vorhin etwas über deinen Lehrmeister gesagt. Ich suche ihn, sag mir, wo ich ihn finden kann und ich werde deine Länder nicht mehr betreten.“
„Niemals wieder wirst du hier lang reiten, oder es wird anders enden, als heute, sei versichert.“ Jetzt grinst er wieder sardonisch und tut, als müsse er überlegen.
„Es gäbe da aber eine Möglichkeit, dir mit den Informationen auszuhelfen, die du offensichtlich so dringend haben willst.“ Er betrachtet desinteressiert seine Fingernägel, wendet dann den Blick und schaut Saliénne in die Augen. Sie steht auf und unterdrückt das Zittern ihrer Beine so gut es geht. Jetzt nur keine Schwäche zeigen. Sie reckt das Kinn vor und bedeutet ihm mit einer kurzen Kopfbewegung, weiter zu sprechen.
„Du bist stark, Magierin. Lass mich dir helfen, deine Kräfte noch besser zu nutzen. Geh bei mir in die Lehre und dann vielleicht... eventuell...“ Er beendet den Satz nicht, macht nur eine ausschweifende Geste. Sally schüttelt abfällig den Kopf. „Du willst Unterstützung für diesen Krieg, das ist alles. Aber dazu kriegst du mich nicht, deine Streitigkeiten interessieren mich nicht.“ Der Hexer lacht wohlklingend und er scheint ehrlich amüsiert. „Bis du soweit bist, ein brauchbares Heer aufzustellen, ist mein Krieg längst gewonnen, dummes Kind.“ Er schüttelt den Kopf. „Ich würde dir beibringen, Tod und Zerstörung zu bringen, Verzweiflung zu säen und Verderben zu beschwören, wann es dir beliebt.“ Er schaut sie mit einem Blick an, der deutlich macht, dass er soeben sehr großzügig war und er selber sehr zufrieden mit sich ist.
Saliénne schaut ihn misstrauisch an. Warum sollte sie auf sein Angebot angehen? Warum zum Teufel macht er es überhaupt? Da ist was faul, das spürt sie genau.
„Wie soll das gehen? Was glaubst du, könntest du mich lehren, was ich nicht schon auf andere Art beherrsche?“ Sie schnaubt ärgerlich.
Der Mann bringt sein Gesicht so dicht an ihres, das sie seinen Atem auf der Wange spürt und flüstert heiser ein einzelnes Wort in ihr Ohr. Sally atmet bei diesem Wort scharf ein und unterdrückt ein leises Schwindelgefühl. Entsetzt sieht sie ihn an, das kann er einfach nicht ernst meinen.

Freitag, 23. Februar 2007

Erster Tag des elften Monats

Saliénne steht vor dem mannshohen Spiegel in ihrem neuen Quartier und betrachtet sich aufmerksam. Auf ihrem Gesicht liegt ein merkwürdiger Ausdruck, sie wirkt verwirrt und ein bisschen angewidert. Sie hebt die Hand und fährt sich durch das Haar. In dem bisher pechschwarzen Haarschopf sind einige silbrig-graue Strähnen erschienen und Saliénne überlegt, ob es lohnt, etwas dagegen zu tun. Zuerst waren sie ihr gar nicht aufgefallen, erst als jemand sie darauf aufmerksam gemacht hat, hat sie sie bemerkt. Sie betrachtet ihr Gesicht und entdeckt um die Augen ein paar Falten, tief eingegraben, und wundert sich. Auch um den Mund ist ein seltsam anmutender Zug erschienen, streng, fast gemein und sie merkt, wie es sie Mühe kostet, die Mundwinkel zu einem Lächeln zu heben. Mit solchen Alterserscheinungen hatte sie erst in vielen Jahren gerechnet, sie ist definitiv zu jung dafür. Aber hatte ihr Lehrmeister damals sie nicht gewarnt?
„Nimm dich in acht, junges Fräulein, zuviel arkane Energien beschwört man nicht ohne den Preis dafür zu zahlen. Es zehrt an den Menschen und fordert seinen Tribut! Man muss vorsichtig sein!“
Nun, sie war nicht vorsichtig gewesen, hatte alle Furcht und Vorsicht über Bord geworfen, es war wie ein einziger Rausch gewesen, mehr, mehr und immer noch mehr und im Prinzip ging es ihr gut damit. Das Gefühl von Macht hatte wie eine Droge ihre Sinne benebelt und es war so herrlich gewesen, sich dem hinzugeben. Keine ethischen Grenzen, keine moralischen Gesetze, keine uralten Richtlinien der Magierzunft, die sie binden konnten. Bisher war sie der Meinung gewesen, noch nicht über die Grenze gegangen zu sein, aber wenn sie sich so betrachtete, dann war klar, dass sie sich selber belogen hatte.
Saliénne strafft die Schultern und seufzt kurz. Es hat keinen Sinn irgendwelchen Äußerlichkeiten hinterherzutrauern... es wird ohnehin bald vorbei sein.

Saliénne setzt sich auf das Bett und bleibt in ihren Gedanken gefangen. Wie lange ist es her, das sie sich nicht mehr mit anderen Wesen beschäftigt hat, sondern ausschließlich mit sich selber? Monate, auf jeden Fall... oder doch schon ein Jahr? Natürlich, es war notwendig gewesen, alle Brücken abzubrechen und sich jede Chance auf Rückkehr zu nehmen. Vor allem war es nötig gewesen, die anderen zu verletzten und den Abschied zu forcieren. Der Gedanke, dass jemand um sie weinen würde, wenn sie ihren Weg vollendet hätte, war ihr ein Gräuel gewesen. Das, was sie jetzt noch war, war nichts, um das es zu weinen lohnte. Selbstsüchtig und getrieben von Rache... keinen Gedanken an die Mitwesen verschwendend. Saliénne spürt, wie eine kleine Träne ihre Wange hinunterläuft und ärgert sich. Es dauert einen Moment, bis ihr klar wird, dass sie weint, weil ihr Leben so armselig geworden ist. So leer, so ohne all das, was andere Menschen wärmt und ihr Dasein bereichert. Mal wieder kommt ihr Perrendor in den Sinn und sie kann sich sein Entsetzen über eine solche Lebensweise lebhaft vorstellen. Sie weiß genau, was er dazu zu sagen hätte und doch würde er nicht wagen, einen anderen Lebensentwurf zu verurteilen. Weil er gütig ist und klug. Und weg.
Es war nötig, es musste sein. Sie ruft es sich zum wohl tausendsten Mal ins Gedächtnis zurück.
Aber je näher das Ende ist, umso weniger kann sie sich selber davon überzeugen.
Sie nimmt ihr Buch und schreibt:

Bald wird es zu Ende sein.
Vollbracht.
Erledigt.
Es wird das Ende sein...

Es wird nicht nur sein Ende sein. Wenn seine Seele vernichtet ist, dann wird es auch meines sein. Ist das nicht bittere Ironie? Vernichte den Zerstörer und geh selber dabei drauf. Ich fühle keinen Triumph, keine Erleichterung, keine Freude. Nicht mal mehr Hass kann ich fühlen, da ist einfach gar nichts mehr. Ich fühle nur Leere und Eiseskälte.

Was bin ich noch ohne meine Rache?
Ich beginne zu ahnen, dass ich ein Niemand bin. Eine leere Hülle, gefüllt mit unsagbarer Schuld, mit unaussprechlichem Leid, das ich gebracht habe. Ein Gefäß der Macht zwar, aber in bestimmten Momenten glaube ich (wieder?) zu wissen, das das nicht ausreichend ist. Taten, die ich nie wieder ungeschehen machen kann, noch sühnen könnte. Denn zur Sühne gehört Mitleid. Ich kann nicht mal für mich selber Mitleid empfinden. Dem nichtswürdigen Dasein wird ein Ende gemacht. Ich werde es beenden, sobald das andere vorbei ist.

Und siehe, ich scheitere auch bei meiner Rache. So, wie die Dinge liegen, werde ich niemals bekommen, was ich wollte. Ich habe versagt... und trotzdem muss ich den Preis zahlen.

Jetzt, wo es niemanden mehr gibt, der auf mich warte, niemanden, der mich vermissen würde, muss ich gehen. Ohne Sinn kann ich nicht weiterleben.

Ich bin leer.

Es wird enden...


Saliénne liest die geschriebenen Zeilen aufmerksam durch und lacht dann bitter auf. Pathetischer Unsinn! Weinerlicher Mist! Sie reißt die Seite heraus und verbrennt sie im Kamin. Dann wirft sie sich den Mantel über und verlässt ihr Quartier.

Donnerstag, 22. Februar 2007

Zwölfter Tag des elften Monats.



Als ich gestern im Park erneut meinen Gedanken über Sein und Nicht-Sein nachhing, wurde ich von einem Tier aus dem Sumpf meiner Engstirnigkeit gerissen. Eine Wildkatze hatte sich unbemerkt an mich heranschleichen können und musterte mich mit mehr Weisheit, als ich einem solchen Tier zugetraut hätte. Der Druidenlehrer schien am Auftreten eines wilden Tieres im Herzen von Stormwind jedenfalls nichts Besorgniserregendes zu finden und so ertrug ich seine Gegenwart eine Weile. Wie sich später herausstellte, war es nicht einfach irgendeine Wildkatze, mit der ich es zu tun hatte, sondern tatsächlich Niu.
Geliebte Niu.
Wieviel von meiner Last hatte in all den Jahren in Wahrheit sie getragen?
Selbstverständlich erkundigte sie sich sofort nach meinem Befinden, aber diesmal wollte ich ihr einfach keinen Einblick gewähren. Ich mache mir keine Illusionen, dass sie nicht sofort bemerkt hätte, dass mit mir etwas nicht stimmt, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass ich es für eine schlechte Idee halte, mit Leuten über mein Seelenleben zu sprechen. Ich bin nunmehr der festen Überzeugung, dass ein Großteil meiner suggerierten Probleme und meines Missmutes in Wahrheit daraus resultiert, dass ich meine Sorgen ständig zu sezieren und zu reflektieren suche. Diese Omnipräsenz meiner Ängste leistet wohl ihren Beitrag zu meinem labilen Geisteszustand.
Und siehe da, zum ersten Mal, seitdem ich Niu kenne, sprachen wir wirklich nur über sie. Heute erscheint es mir absurd, aber tatsächlich hatten wir, wann immer wir uns trafen, in erster Linie über mich, in zweiter über alles andere und überhaupt nie über sie gesprochen.
Das tut mir aufrichtig leid. Niu selbst geht es gar nicht gut, möchte ich meinen. Sie ist der Auffassung, in ihrem Bestreben, ihr Volk zu beschützen und es zu erziehen, auf ganzer Linie versagt zu haben. Wir stritten uns eine Weile über einen vollkommen unwichtigen bildhaften Vergleich, ehe uns wieder klar wurde, dass es eigentlich um etwas ganz anderes ging.
Niu hat aufgegeben. Ihre Mission ist vorüber. Und ebenso sei meine Mission vorüber. Wir beide als Hüter und Lehrer unserer Völker hätten versagt und es läge nunmehr nur noch an uns, das endlich einzusehen und einer anderen Aufgabe nachzugehen.

Es fällt mir schwer, diese Worte aus Nius Mund zu akzeptieren. Sollte sie in all der Zeit von ebensolchen Zweifeln wie ich selbst geplagt worden sein? Vielleicht stand es um ihren Glauben lange Zeit noch viel schlimmer als um meinen.

Mittlerweile stelle ich fest, dass Niu und ich uns ähnlicher sind, als ich es jemals für möglich gehalten hätte. Sie war genauso wie ich immer bestrebt, allen Wesen um sie herum den rechten Weg zu weisen, sie zu bestärken und auf ihrem Weg zu begleiten. Und ebenso wie ich wurde sie in all der Zeit (die bei ihr natürlich ungleich länger war, da sie vermutlich mehrere tausend Jahre älter ist, als ich es bin) von Zweifeln geplagt. Ebenso wie ich versuchte sie, diese Zweifel durch gerechtes Handeln und Ablenkung durch Auseinandersetzung mit den Problemen anderer unter den Teppich zu kehren. Und nun, da sie endlich jemand nach ihrem Befinden gefragt hatte, war sie wohl ebenso wie ich im Weltschmerz aufgegangen.

Sie sagte, es sei vorüber. Es gebe nichts mehr, das Leute wie wir noch retten können. Wir kämpften auf verlorenem Posten und ich könne mich vor dieser Wahrheit ebenso wenig verschließen wie sie.

Vielleicht war es notwendig, dass mir jemand ein solch schwarzes Bild malt. Vielleicht musste ich erst sehen, wie schlimm jemand anders die Lage der Welt im Wandel einschätzt, damit ich selbst erkenne, dass noch längst nicht alles verloren ist. Ich versprach Niu, ihr zu beweisen, wie gewaltig sie sich irrte. Alles was ich erntete war Bitterkeit, doch ich kann es ihr nicht verübeln. Diese Welt darf nicht verloren sein, ich weigere mich, das einzugestehen.
Zum ersten Mal seitdem ich dieser freundlichen und damals noch unbekannten Elfe ein Theater von sprechenden Weidenbäumen vorgegaukelt hatte -und das obwohl sie natürlich wirklich mit Bäumen fühlen konnte- habe ich mich von ihr im Streit getrennt. Ich muss ihr zeigen, dass sie sich irrt. Geliebte Niu.

Sonntag, 11. Februar 2007

Achter Tag des elften Monats.



Heute habe ich mit Rall gestritten.
Es war großartig.
Was bin ich doch für ein Tor.

Nicht genug von meiner Torheit, musste ich auch noch leise vor mich hinfluchen und im schnellen Schritt versehentlich den Stock einer blinden Gläubigen durch die Kathedrale treten. Ich sollte hier auch noch festhalten, dass ich erst sehr spät begriffen habe, dass es sich um eine blinde Frau handelte. Etwa dann, als mir langsam zu dämmern begann, dass sie mich nie anblickte, wenn sie das Wort an mich richtete.

Gut gemacht.

Sie hatte meine leisen Flüche mitbekommen.

Gut gemacht.

Priester geht mit offenen Augen durch die Welt.

Als sie ihrerseits dahinter kam, welcher Berufung ich nachgehe, hatte sie hohe Achtung vor mir. Ich stand kurz davor, ihr zu erzählen, was für ein Mensch ich wirklich bin, und damit ihren Glauben an das Gute schwer zu erschüttern. Aber auch das wäre egozentrisch gewesen. Wenn es der Frau Freude machte, mich für erhaben zu halten, dann sollte sie das auch dürfen. Schließlich sind wir Priester da, um den Gläubigen Trost und Rat zu schenken, und nicht um ihnen zu erklären, dass wir selbst schon lange die Suche nach Trost und Rat aufgegeben haben. Ich ließ sie nach einer kurzen und mehr als erniedrigenden Unterhaltung (erniedrigend für mich, da ich keine der mir als Priester nachgesagten zwischenmenschlichen Qualitäten zum Einsatz bringen konnte) auf ihrem Platz vor dem Altar zurück.

Durch den Park des Magierdistrikts zu schlendern und in Erinnerungen zu schwelgen war vielleicht nicht die beste Idee gewesen.

Etwas später, als ich im Begriff war, den Marktplatz zu queren, begegnete ich der Frau erneut. Sie saß vor Keldrics Apotheke und bot für zehn Kupfer ihre Dienste als Schuhputzerin an. Das Schild, das ihre Dienste feilbot, war gerade groß genug, um mich wieder daran zu erinnern, wie ich der Matrone die Unterstützung der Kirche versagen musste. Da platze mir der Kragen. Wie kann es denn sein, dass ein blinder Mensch in der Welt von heute seinen Lebensunterhalt durch Schuhputzarbeiten bestreiten muss? Warum ist denn niemand da, um diesem Menschen ein Leben in Würde zu ermöglichen? Zehn Kupfer? Das ist doch Irrsinn!
Ich gab der Frau etwas Geld. Zunächst wollte sie es nicht annehmen, weil sie nicht auf Almosen angewiesen sein wollte, doch schließlich konnte ich sie davon überzeugen, es doch zu behalten. Nach einer kurzen Unterhaltung stellte sich heraus, dass sie für das von mir erhaltene Geld- gemessen an ihrem durchschnittlichen Verdienst der vergangenen Tage- ihre Arbeit für drei Wochen ruhen lassen könnte, wenn sie es denn wirklich behielte. Sie schien sich sehr dafür zu schämen, denn normalerweise gebe sie all das Geld, das sie verdient an ihren Onkel weiter, der ein reicher Geschäftsmann sei und im Gegenzug für sie sorge. Was für ein reicher Geschäftsmann verlangt von seiner blinden Nichte das Geld, das sie beim Schuhputz verdient, um für sie zu sorgen? Diese Welt ist doch das Letzte. Ich wies sie mit Nachdruck darauf hin, dass ich ihr das Geld geschenkt hatte, und nicht ihrem Onkel. Schließlich versprach sie, es zu behalten und zu sparen. Oder vielmehr beichtete sie es. Sie sagte, ich dürfte es auf keinen Fall Bruder Tellis erzählen, er würde sie dafür scharf verurteilen. Lügen sei eine Sünde. Bruder Tellis hat bestimmt andere Sorgen und wird von mir nichts erfahren. Und sollte er doch versuchen, das Gewissen einer armen Frau zu plagen, indem er ihr einredete, dass sie ihren ärmlichen Verdienst an einen vermutlich versoffenen Unterdrücker von Onkel weitergeben müsste, weil sie ihm das versprochen hatte, dann werde ich mich einmal ausführlicher mit ihm unterhalten müssen.

Freitag, 9. Februar 2007

Sechster Tag des elften Monats.



Als ich mich heute erneut der Vervielfältigung von Glaubensniederschriften widmete, drangen zwei in eine rege Konversation vertiefte Stimmen an mein Ohr. Bei den Streitpartnern schien es sich um zwei Paladine zu handeln, die vor der Sakristei eine hitzige Diskussion darüber austrugen, ob der Glaube an das Licht und die damit verbundenen Fertigkeiten eher ein Schild gegen das Böse, oder aber ein Mächtiger Hammer gegen alles Finstere seien, das sich der Verbreitung des Lichts in den Weg stellte. Der Paladin, der etwas weniger schlüssig argumentierte und sich als etwas abgehoben und obendrein als schlechter Zuhörer herausstellte, war, wie ich erfahren durfte ein Mitglied der Scharlachroten Flamme, einem Kreuzfahrerorden. Der andere, Tellis Goldschrieb, Mitglied der Kirche des Lichts, vertrat eine gemäßigtere Einstellung. Ich möchte sie fast als pazifistisch bezeichnen. Ich war durch den Wortwechsel neugierig geworden und sprach Bruder Tellis an, nachdem der Kreuzzügler die Kathedrale verlassen hatte. Zwischen uns entspann sich ein reger Meinungsaustausch, indem ich oft kleinlaut widersprach, obwohl ich mir bei einer Betrachtung im Nachhinein ziemlich sicher bin, dass wir uns ähnlicher sind, als es mir zunächst schien.
Später gesellte sich eine ergreifend freundliche Nonne zu uns- wie sich herausstellte, eine Bekanntschaft von ihm. Sie gab sich relativ einsilbig, doch erinnerte mich ihre wohlwollende Höflichkeit, an etwas, das mir schon lange nicht mehr untergekommen war. Ich kann es nicht identifizieren, nur soviel war klar: Ich hatte es, was auch immer es war, in der letzten Zeit schwer vermisst, und prompt befiel mich der Wunsch, diese Frau noch eine Weile in meiner Nähe zu behalten. Zu meiner gelinden Enttäuschung war auch sie sehr beschäftigt und so saß ich alsbald wieder allein in der Kathedrale.

Vielleicht sollte ich wieder mehr unter Menschen gehen?

Donnerstag, 8. Februar 2007

Kein Zurück

Der heiße Wüstensand treibt kleine rote Staubwolken vor sich her und wirbelt den warmen Sand der Einöde vor der imposanten Festung in kleinen Spiralen auf. Der Rock der Gestalt, die auf dem obersten Hügel vor der Burg steht ist von diesem roten Staub bedeckt und schmutzig, aber es scheint sie nicht zu stören. Ihr Blick hat sich in der Ferne verloren, dort, wo man die Blitze einschlagen sieht, die von der Magie des Portals angezogen werden.

Das Portal ist wieder geöffnet worden. Saliénne kann es fühlen, kann fühlen, wie die arkanen Ströme, die davon ausgehen, nun strukturierter sind, geordnet und geleitet, wenngleich auch immer noch vorhanden und mächtig. Sie spürt der Kraft einen Moment nach, bevor sie es aufgibt und sich seufzend wieder in ihren Gedanken verliert.

In der Hand hält sie ein zerknülltes, abgegriffenes Dokument und immer wieder liest sie die Zeilen, als könnte sie den Inhalt nicht glauben. Die Seitenzahlen verraten, dass es sich nur um eine bestimmte Seite aus einem ganzen Traktat ist.

„... Vorräte und Rüstungen gelagert sind. Flüchtlinge bevölkern die Straßen und die Stadt ist in zwei Teile gespalten. Es gibt aber die neutralen Zonen, wo man sich unbehelligt auf den Straßen bewegen kann. Daselbst wurde auch der Erzmagier Khadgar erneut angetroffen, lebend und offensichtlich mächtiger als zuvor. Die Berichte über sein ungeklärtes Verschwinden können nunmehr widerlegt werden. Die Gesinnung ist lichttreuer als früher, erkennbar daran, dass er nunmehr mit den Naaru kooperiert und von diesen unterwiesen wird. Die möglichen Gefahren dieser Entdeckung...“

Die Magierin lässt den Bericht sinken und wischt sich durchs Gesicht, roter Staub hat sich auf Haare und Gesicht gelegt und nur, wer sehr genau hinsieht, kann einen hellen feuchten Streifen auf ihrer Wange erkennen.

Freitag, 12. Januar 2007

Einunddreißigster Tag des zehnten Monats.

Donnerstag, 11. Januar 2007

Zwanzigster Tag des zehnten Monats.

Zwischenspiel

Saliénne öffnet die Augen und blinzelt in das helle Sonnenlicht. Es ist bereits später Morgen und der Raum, der eindeutig elfisch ist, wird von Licht durchflutet. Auf dem Kissen neben ihr liegt ein blauseidiger, zerzauster Haarschopf und sie lächelt, als sie die Elfe erblickt. Die junge Elfe schläft tief und fest, seufzt nur einmal leise im Schlaf. Sie zieht die leichte Decke sanft beiseite und betrachtet die schlafende Schönheit einen Moment, streicht ihr eine dunkle Haarsträhne aus dem makellosen Gesicht. Saliénne streckt sich und fühlt sofort wieder den Schmerz in den geprellten Gliedern und der tiefen, verbundenen Schnittwunde am Oberarm. Sie bedeckt die Schlafende wieder, steht so leise wie möglich auf und schlüpft in ihre Robe. Sie verlässt den Raum und zieht sich erst vor der Tür ihre Stiefel an und all die anderen Sachen: die martialisch wirkenden Schulterstücke, den langen schwarzen Mantel, den kostspieligen Gürtel und die magiegewirkten Handschuhe. Sie wiegt ihren schwarzen Dolch einen Moment in Händen, betrachtet sein sanftes blaues Schimmern, die eingeritzten Buchstaben und lässt ihn dann mit einem tiefen Seufzen unsichtbar in ihrem Stiefel verschwinden. Zuletzt bindet sie sich auch die Maske vors Gesicht, ihre ständige Begleiterin in der letzten Zeit, und macht sich auf die Suche nach der Gastwirtin. Sie bezahlt sie großzügig und sorgt dafür, dass niemand den Schlaf der Elfe stört. Sie weiß, das es nicht nötig ist, eine Nachricht zu hinterlassen, die Elfe weiß, das sie sich melden wird, irgendwann.
Im Gastraum wartet bereits eine andere Elfe, klein und drahtig, verstohlen und unauffällig wie ein Schatten. Leise wispern sie miteinander und kurz darauf ist die kleine Elfe verschwunden, ohne eine Spur zu hinterlassen. Sally lächelt fein und verlässt ebenfalls das Gasthaus, bindet ihren Säbler los, der bei den Ställen angebunden ist und macht sich auf den Weg.
Der Ritt strengt sie an, ihre Hände schmerzen und sind eiskalt, wie üblich. Die Wunde am Arm tut weh und die Schmerzen in den Armen und Beinen machen es ihr schwer, sich im Sattel zu halten. Saliénne ist an Schmerzen gewöhnt, immer wieder gehen die Experimente schief, so wie gestern. Sie hatten es endlich geschafft, eine Kugel aus reiner magischer Energie zu beschwören, doch das Gefüge war nicht stark genug, um die Strukturen zu halten und noch ehe sich die Magier versahen, war sie mit einem ohrenbetäubenden Knall und einer heftigen Druckwelle explodiert. Alle Anwesenden wurden durch die Explosion nach hinten geschleudert, Phiolen und Glasgefäße auf den Tischen explodierten und Bücher wurden durch den Raum geschmettert. Zwei der anwesenden Magier waren bei ihrer Abreise am Abend noch bewusstlos, insofern konnte sie von Glück sprechen, so glimpflich davon gekommen zu sein. Endlich erreicht sie den Hafen, wo sie das nächste Schiff zu den östlichen Königreichen nimmt.
Einen langen Greifenritt später erreicht sie schließlich Nethergarde und begibt sich auf dem schnellsten Weg in den Turm. Noch immer sind die Spuren der Verheerung zu sehen, obwohl hier sichtlich aufgeräumt wurde. In der Mitte des Raumes sind schwarze Schmauchspuren auf dem Boden und an der Decke von den gescheiterten Versuchen und die Gläser auf den Experimentiertischen wurden noch nicht wieder ersetzt. Nur ein einziger Magier ist heute bei der Arbeit und es ist klar, das es noch Tage dauern wird, bis sie sich an den nächsten Versuch wagen können. So setzt sie sich an einen der Schreibtische und schlägt ihr Notizbuch auf, versucht Ordnung in verschiedene Gedanken zu bringen:

(undatiert)
Sie ist meine Achillesferse, meine Schwachstelle. Sie macht mich verletzlich und angreifbar und genau das will ich um jeden Preis vermeiden. Aber ich habe die Freveltat begangen und sie den Blutschwur schwören lassen. Mich graust bei dem Gedanken an ihren eifrigen Blick als ich das Unsägliche von ihr verlangt habe. Sie tat es ohne zu wissen, was es wirklich bedeutet und nun sind wir verbunden. Ich kann sie nicht mehr schützen, wenn irgendjemand sie gegen mich einsetzten wollte. Warum kann ich nicht einfach bei den harmlosen Affären bleiben? Bei den Unwichtigen, die mir mein Bett wärmen des Nachts und mich davon abhalten, ungebetene Gedanken zu denken? Ich scheue mich nicht, Menschen oder andere Wesen zu benutzen, wenn es mir beliebt. Ich nutze ihre verliebte Idiotie aus, ihre Faszination für das, was sie glauben in mir zu sehen. Sie sehen nur eine Illusion, ein Bild, das ihnen gefällt, sie sehen, was ich sie sehen lasse. Außer ihr... sie kennt mich. Und abgesehen davon: Schwur oder nicht, sie würde ohnehin nicht gehen. Sie ist bisweilen naiv, aber was mich angeht scheint sie auch entschlossen, sich niemals und durch nichts abweisen zu lassen. Kein Argument kann sie dazu bringen, mich nicht mit leuchtenden Augen anzusehen, wann immer ich sie treffe. Sie hat nicht mal Angst, wenn ich sie mit nach Nethergarde nehme. Sie scheint auch nicht im geringsten zu verstehen, was dort vor sich geht und glaubt, sie könne mich mit ihrem Schwert schützen. Aber das ist meine Schuld, weil ich ihr nicht die Wahrheit sage über das, was ich treibe, wenn ich für Tage und Wochen verschwunden bin. Bisweilen ist ihr Blick ängstlich, wenn sie mich mustert und meine kalte Haut fühlt, sie sorgt sich, wenn sie sieht, wie ich Eis hinterlasse, wo immer ich mich hinsetze und sie fürchtet um meinetwillen, was ich tue. Sie ist meine Brücke in mein altes Leben, die Letzte, die mir geblieben ist, obwohl ich doch alle Brücken abreißen wollte. Aber diese letzte Verbindung kann ich nicht kappen, so kalt kann selbst ich nicht sein.
Ob ich sie liebe? Das weiß ich nicht... Liebe sollte ein warmes Gefühl hinterlassen, sollte das Herz erreichen und die Gedanken binden. Das ist nicht der Fall. Kann ich noch lieben? Ich weiß es nicht, alle Gefühle sind so kalt, wie eingefroren fühle ich mich und da ist keine Herzenswärme. Nur hin und wieder ein Stich wie von schlechtem Gewissen: wenn ich sie verlasse um auf unbestimmte Zeit wieder zu verschwinden, wenn ich Perrendor suche und finde und eine Weile beobachte ohne mich zu erkennen zu geben, wenn ich an all die armen Teufel denke, deren Leben ich ohne mit der Wimper zu zucken genommen habe. Aber auch das wird bald aufhören.
Keine Reue mehr.
Ich tue, was ich tue.
Ich bin, was ich bin...

Dienstag, 9. Januar 2007

Sechzehnter Tag des zehnten Monats.

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