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Perrendors Kulturaustauschprogramm

Dienstag, 26. Juni 2007

55 - Iced Earth - Burnt Offerings

Bist du zornig? Sehr?

Das Seltsame ist wohl... Ich bin es gerade nicht. Überhaupt nicht.
Ewig schon wollte ich dir einen ganz bestimmten Song vorspielen, doch der letzte Sommer war viel zu kurz, der Winter viel zu lang und schon hatte ich ihn wieder aus den Augen verloren. Was Sommer und Winter dabei für eine Rolle spielen, fragst du vielleicht. Nun, ich bin mir nicht sicher, ob mein subjektives Gefühl diesbezüglich nachvollziehbar ist, aber wann immer ich den Song höre, drängen sich mir infernale Vorstellungen auf. Feuer, Pech und Schwefel, angekettet an einen steinernen Pfahl, an einem gottlosen Ort. Nur ich und die Sonne, die meine Haut vollkommen ungeachtet ihres niedrigen Stands und ihrer erdrückenden Röte jede Sekunde geißelt, als wäre ich selbst der schlimmste aller Sünder.
Und das bringt mich auch gleich zur zweiten Eigenschaft dieses Songs. Er kanalisiert Zorn. Dachte ich immer. Ein überaus schätzenswertes Attribut, wie ich finde. Jetzt gerade höre ich ihn, und stelle fest, dass er jedoch weit mehr macht, als in längst brodelnden Gewässern Ausbrüche heraufzubeschwören und den so unerträglichen Druck zu mindern. Er funktioniert beinahe wie eine Wünschelrute, weist auf die kleinen Reste elementaren Zorns hin, die sich überall in den tiefen des eigenen Unterbewusstseins sammeln und saugt sie aus ihren finsteren Verstecken hervor. Nur, um schließlich... Was damit zu machen?
Gar nichts. Sieben Minuten und zweiundzwanzig Sekunden lang wühlt er alles auf, was er finden kann und überlässt es der Stille. Und dem darauffolgenden Album. Burnt Offerings von Iced Earth.

Diese Feststellung stellt mich vor eine schwierige Aufgabe. Dieses Album zu repräsentieren, ohne es von der ersten bis zur letzten Minute vorspielen zu können. Dreiundfünfzig Minuten urgewaltiger Klänge, jeder Track birgt sein eigenes Geheimnis und dieser ist der Auftakt.

Dienstag, 15. Mai 2007

54 - Death Cosmic Sea

Ewiger Regen schafft einen Ozean.

Logische Konsequenz

Mittwoch, 2. Mai 2007

53 - Slayer - Seasons in the Abyss

Ewiger Sonneschein schafft eine Wüste.

Arabisches Sprichwort

Sonntag, 22. April 2007

52 - Vital Remains - Dechristianize

Wie viele spärlich ausgeleuchtete und schwarz gestrichene Keller gibt es in Wien eigentlich?

Samstag, 21. April 2007
Ein weiterer Keller, ein weiterer Musikalischer Untergang. Langsam aber sicher schreite ich auf die Grenzen meines Wortschatzes zu. Lange Zeit waren sie nur vage am Horizont auszumachen-

Bis Vital Remains den wohl kleinsten all dieser Schwarzen Keller betraten.

Freitag, 6. April 2007

51 - Rob Martino - Mighty Wren, One Cloud

Schon lange nichts Musikalisches mehr hier drin, was? Ja, finde ich auch. Zu lange. Aber im Moment ist das Wetter hier viel zu gut und meine Stimmung viel zu fröhlich, um euch leidgeprüfte Menschen da draußen schon wieder musikalisch auf die Fresse zu geben.

Deshalb an dieser Stelle einmal etwas ganz anderes.
Aus dem Booklet meiner heißgeliebten Cynic-Platte Focus wusste ich schon seit längerer Zeit, dass es irgendeinen Geräuschmacher geben muss, der wohl Chapman Stick heißt. Neugieriger und zugleich faul, wie ich nun mal bin, musste aber erst eine Menge Zeit vergehen, ehe ich endlich auf die Idee kam, herauszufinden, was ein Chapman Stick eigentlich ist. So stellte sich also für mich heraus, dass es sich dabei um ein gigantisches Fretboard mit acht bis zwölf darüber gespannten Saiten und den dazugehörigen Tonabnehmern handelt. Man kann sich einen Stick also vorstellen, wie einen gigantischen Gitarrenhals, dessen eine Hälfte mit Basssaiten und dessen andere Hälfte mit Diskantsaiten bespannt ist. Gespielt wird darauf, indem mit den Fingern beider Hände auf die Saiten geklopft wird, ähnlich wie bei der Touch-Tapping-Technik beim Gitarre- oder Basspiel. Technische Kabinettstückchen wie spezielle Tonabnehmer und unterschiedlichste Stimmungsmöglichkeiten machen den Stick zu einem faszinierenden Instrument, mit dem man ähnlich einem Klavier gleichzeitig Rhythmus- und Melodiespur spielen kann.

Mit diesem Wissen konnte ich dann zumindest identifizieren, auf welchem Stück der Platte der Stick nun zum Einsatz kam (ich vermute sehr stark, dass es sich dabei um das Tapping-Intro von How Could I handelt), aber darüber hinaus hat sich mein Interesse dafür dann insgesamt in Grenzen gehalten. Bis… Nun, dank YouTube ist es ja mittlerweile Volkssport irgendwelche mittelmäßig interessanten Wortfetzen in kleine Suchfelder zu hacken und erst einmal abzuwarten, was passiert. So geschehen mit dem Wort Chapman Stick und das bringt mich auch schon zu den Musikstücken, dich ich euch anhören lassen möchte.

Mighty Wren
One Cloud

Beide Stücke wurden von Rob Martino komponiert, den man nun nicht unbedingt kennen muss. Ich sollte allerdings unbedingt erwähnen, dass es mir persönlich auf keinen Fall geschadet hat, mich in seinem wirklich interessanten Portfolio umzuhören. Seine Musik streicht bei mir über die gleichen Saiten wie Satrianis, mit dem Sympathiebonus des charmanten Nobodys, der seine Kunst mit Hilfe von YouTube und MySpace einer unbekannten Meute potentieller Vollhirnis vorwirft und dabei mit Kompositionen von einer Qualität auftrumpft, die man bei vielen Profimusikern (Profis im Sinne dessen, dass sie mit ihrer Musik groß absahnen) vergebens sucht. Und das alles mit ein paar Sticks, seinem Mac und guter Software. Verdient doch Anerkennung, oder?

Bei dem ersten Stück handelt es sich um ein komplett mit dem Stick, einem Drumcomputer und einem Riesenhaufen Effekte zusammengenietetes Machwerk, wobei meiner Meinung nach weder Schönklang noch Eingängigkeit zu kurz kommen.

Das zweite Stück ist eigentlich das erste, auf das ich aufmerksam wurde, als ich bei YouTube nach Chapman Stick suchte. Es wird ebenfalls nur mit dem Stick gespielt, verzichtet aber weitgehend auf bunte Effekte und wirkt dennoch angenehm vielschichtig. Genau die Art Entdeckermusik, die ich mir gerne zur Entspannung anhöre.

P.S.: Es lohnt sich, die Website des guten Herren etwas zu durchstöbern, es wollen weiter feine Musikstückchen entdeckt werden ;)

Donnerstag, 22. März 2007

50 - Wien?

Nach der erfolgten Liebeserklärung meiner verehrten Gastgeberin an ihre grandiose, geschichtsträchtige, historische, malerische, grüne, schmutzige, coole, funky, verrückte, bunte, internationale, phantastische Heimatstadt, musste ich unverhofft anfangen, über Wien nachzudenken. Lässt sich denn das oder Ähnliches von der Stadt von Walzer, Mannerschnitte, Fleischspezialität und Hofreitschule behaupten?

Ich bin ganz sicher nicht prädestiniert dazu, dieses Urteil aus eigener Erfahrung über Wien zu fällen, aber etwas Interessantes ist mir dabei schon aufgefallen. Während Berlin die Denker hinter Seeed ganz offensichtlich zu einem untypischen Liebeslied inspiriert hat, scheint die Donaustadt Künstler der Moderne zu ganz anderen Dingen anzuregen.

Die Liste jener, die ihrer Heimatstadt ein paar Noten gewidmet haben, ist lang und kurz, je nachdem, ab welchem Jahrhundert man ihre Beiträge gelten lässt. Sie wird auch schon kürzer, wenn man nach musikalischen Perlen sucht, dafür aber wieder länger, wenn man die unter Betäubungsmitteleinfluss entstandenen Kompositionen dazuzählt.

Und weil es mir schlicht unmöglich scheint, die musikalischen und lyrischen Eindrücke greifbar aufzubereiten, habe ich mich dazu entschieden, dich, verehrten Leser, meinen Pfad auf der Suche nach Wien Station für Station abschreiten zu lassen.

Verkehrsgewirr. Die Stadt rundherum.

Der Autor und seine Gedanken in der Tramway.

Autor. Wien… Gibt es so etwas wie eine Wiener Hymne? Vielleicht auch noch in der Popmusik?
Gedanken. Gibt es.
Autor. Ach?
Gedanken. (summen eine Melodie.)
Autor. (überlegt. Dann:) Das kenne ich. Das läuft im Radio auf und ab, weil der Typ, der es komponiert hat, heuer fünfzig geworden wäre.
Gedanken. Frage beantwortet. Die Wiener Hymne.
Autor. Aber das ist doch keine Hymne. Hört euch doch nur den Text an!
Gedanken. (rekapitulieren laut Textpassagen.)

Und seine Leber ist hin
Seine Venen sind offen,
Und er riecht nach Formalin
Das alles macht eam kan Kummer,
Wei er ist in Wien.
Ganz Wien
Ist heut auf Heroin
Ganz Wien
Träumt mit Mozambin
Ganz Wien, ganz Wien
Greift auch zu Kokain

Autor. Genau das meine ich. Geht es in der ganzen Lyrik, die von Wien handelt nur um Rausch?
Gedanken. (summen wieder.)
Autor. Ja, danke für den Hinweis, jetzt hab ichs begriffen, glaub ich... Aber was ist dagegen mit dem Wiener Charme und Hamur?
Gedanken. Du meinst das, was man wiener Kaffehauskellnern nachsagt?
Autor. Nein, ich spreche zum Beispiel vom Wienerlied.
Gedanken. Ja richtig. Musikalisch, zuvorkommend und charmant.
Autor. Spart euch euren Sarkasmus.
Gedanken. (intonieren frank.)

Oh, du lieber Augustin, alles ist hin.

Und er, der bleiche, alte Himmel von Wien,
von den Farben verlassen, vom Regenbogen geschieden,
er hat immer noch das Verhältnis mit seinen schmierigen Geigen.
Und blühen im Prater die Bäume, dann kann man's riechen,
wie Sie's treiben,
s’ ist zum Speiben!

Und sie, die alten, die bleichen Menschen dieser Stadt,
vor ihrem Hass und ihrer Dummheit haut der Tod sogar ab,
da stehen Altare in ihren Höhlen, von fetten Dackeln bewacht,
da werden die Enkerln geschlachtet
und dem Robert Stolz als Opfer dargebracht.

Oh, du lieber Augustin, alles ist hin.

Autor. Doch nicht das Wienerlied von Ludwig Hirsch... Dass der früher grausliche Texte geschrieben hat, weiß man ja.
Gedanken. Achso? Was denn?
Autor. Na ich weiß auch nicht. Muss doch schöne Lyrik über Wien geben.
Gedanken. Sicher. Es gibt den Blauboad.
Autor. Wen?
Gedanken. (deutlich.) Blaubart. Von H.C. Artmann.
Autor. War der nicht einmal Anwerber auf den Nobelpreis?
Gedanken. Kann schon sein.
Autor. Also gut, was hat der geschrieben?
Gedanken. (zitieren.)

I bin a Ringlgschbüübsizza
und hob scho sim Weiwa daschlong
und eanare Gebeina
untan Schlofzimabon fagrom..

Heit lod i ma r ei di ochte
zu einem Libesdraum -
daun schdöl i owa s Oaschestrion ei
und bek s me n Hakal zaum!

So fafoa r e med ole Maln
wäu ma d easchte en Gschdis hod gem -
das s mii amoe darwischn wean
doss wiad kar Mendsch darlem!

I bin a Ringlgschbüübsizza
(und schlof en da Nocht nua bein Liacht
wau i mi waun s so finzta is
fua de dodn Weiwa fiacht..)

Autor. Phantastisch. Frage zurückgezogen.
Gedanken. (lapidar.) Du wolltest es wissen…
Autor. Und das soll es also gewesen sein? Vielleicht halte ich es doch lieber mit den im südlichen Wiener Becken so oft ausgesprochenen Worten.

Wien ist anders.

Montag, 12. März 2007

49 - Iron Maiden - Flight of Icarus

Es war zwar nicht 1991 und auch nicht auf der Fahrt zum Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald. Es war auch nicht Guns ’n’ Roses, aber es fand definitiv statt. Und das fast auf die gleiche Art.

Mein Einstieg in diese wunderlichen Heavy-Metal-Welten fand irgendwann im Frühjahr oder Sommer des Jahres 1999 statt. Es war auch ein Wandertag und ein Freund ließ mich auf der Busfahrt mit seinem Walkman mithören. „Was ist denn das?“, fragte ich zuerst mich und dann ihn, denn irgendwie gefiel mir die Musik. Eingängiger Refrain, das war auch schon alles, was ich damals von Musik verlangen konnte oder wollte. „Iron Maiden“, sagte er schulterzuckend. Das also waren Iron Maiden! Ich kann mich noch genau an meine Überraschung erinnern. Ich kannte Iron Maiden. Das war doch diese Band, die diese unfassbar gruseligen Albencovers hatte, die mir unter den Platten meines Bruders im Alter von acht sofort ins Auge gefallen waren. Ein spezielles dieser Cover sehe ich vor mir, als wäre es gestern gewesen, dass ich es als Dreikäsehoch in der Hand hielt und mit morbider Faszination jedes noch so kleine Detail der Zeichnung auf dem Booklet in mich aufnahm. „Live after Death“ heißt die Platte und das Cover zeigt, wie könnte es anders sein, Eddie, der aus einem aufgebrochenen Grab steigt, bei Blitz und Donner, mit rasselnden Ketten und umherfliegenden Erdbrocken. Was für ein Bild!



Ich habe damals wochenlang nach der Schule nur Eddies gezeichnet. Leider finde ich keinen der künstlerischen Ergüsse mehr, denn für mein zartes Alter hat das gar nicht mal so schlecht ausgesehen ;)

Also das hat jedenfalls ein gewisses Einprägungspotential bei einem Achtjährigen. Damals dachte ich, das müsste ja furchtbar klingen, so wie es aussieht. Wie genau, hab ich mich aber nie gefragt. Und dann auf einmal höre ich dieses Lied von Iron Maiden. Das klang überhaupt nicht so, wie ich mir das vorgestellt hätte. Rhythmisch, luftig, treibend, beschwingt. „Wie heißt das Lied?“, fragte ich mit gewecktem Interesse. „Flight of Icarus“, kam die kurze aber ausreichende Antwort und seit jenem Augenblick nahm alles einen stetigen Lauf. Manchmal schneller, manchmal langsamer, aber die musikalische Evolution, die das auslöste, dauert bis heute an und es ist kein Ende in Sicht.

Freitag, 2. März 2007

48 - Kreator - All of the same Blood

Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen. Der Sommer ist heiß, das Leben ist gut, mein Gitarrespiel ist schlecht und mein musikalischer Horizont reicht von hier nach da. |-------------|

In genau diesem Sommer tritt es zum ersten Mal auf. Dieses eigenartige Phänomen. Bei mir und Musik ist es wie mit alkoholischen Getränken. Dinge, die einem normalerweise gar nicht schmecken würden, schmecken einem auf einmal, wenn man nur vorher schon genug gebechert hat. Was beim Alkohol mitunter in unangenehmen Nachwirkungen enden kann, erscheint mir bei der Musik sehr wünschenswert. Wie sonst bekommt man den Kopf frei genug, um neue Dinge kennenzulernen, die einem sonst nie gefallen hätten?
Vielleicht kann es irgendjemand noch am eigenen Leib nachvollziehen. Wie war das damals, als man sich noch nicht von dem Gedanken getrennt hatte, dass gute Musik auch mit einer wohlklingenden Stimme unterlegt sein muss? Als man manche Genres vor allem des Heavy Metal noch kategorisch ablehnte, weil das musikalische Gehör einfach noch nicht so weit gereift war, um die Musik außerhalb des gesanglichen Kontexts wahrzunehmen?

Heute erscheint es mir unvorstellbar, wüsste ich nicht haargenau, dass ich genau so eine Phase der Gewöhnung durchmachen musste, ehe ich endlich bereit war, hinter den Schleier zu blicken, festzustellen, dass es in manchen Musikrichtungen nicht die Aufgabe eines Sänger ist, mit seiner Stimme eine Melodie zur Komposition beizusteuern. Ganz im Gegenteil, bei vielen Stilrichtungen ist es ausdrücklich erwünscht, dass die Stimme als Rhythmusinstrument eingesetzt wird und Versuche das zu ändern klingen irgendwie seltsam. Manchmal soll eine widerwärtige Stimme sogar nur einen Kontrast zu den schönen Gitarrenmelodien darstellen.
Im Nachhinein betrachtet, gibt es ein paar wenige Bands, bei denen ich ganz klar markieren kann, dass mit dem Anhören ihrer Musik eine Reihe von Dogmen diesbezüglich zu bröseln begann.

Eine davon ist Kreator. Ich kannte die Band eigentlich immer nur vom Hörensagen und dann auch mehr mit dem Stempel, dass es sich dabei um einen deutschen Slayer-Verschnitt handle. Das DVD-Machwerk „Live Kreation- Revisioned Glory“ sollte das ein für alle mal ändern. Wie so viele musikalische Entwicklungen, die im Laufe der Zeit in mir vorgingen, wurde auch diese durch einen guten Freund von mir angeregt, indem er sich dieses Epochale Meisterwerk von zweistündiger Live-DVD mit sämtlichen Videoclips der Bandgeschichte und, und, und… zulegte und mir irgendwann nach einer eher mittelmäßig verlaufenen Jam-Session vorspielte. Heute frage ich mich, was eigentlich an der Stimme von Mille Petrozza nicht normal ist. Ja, natürlich, er kreischt und krächzt ein Bisschen, aber dass das damals auf den ersten Blick ausgereicht hat, um mein Interesse an dieser Band zu dämpfen, erscheint mir mittlerweile absurd. Nicht zuletzt in Anbetracht ihrer überwiegend wirklich hervorragenden Kompositionen.

Jahre später-
Ich besitze drei Alben von Kreator, war auf ihrem letzten Konzert in Wien und fiebere dem nächsten Besuch wie dem nächsten Album entgegen. Dem Alkohol-Effekt seis gedankt.

All of the same Blood

Mittwoch, 21. Februar 2007

47 - Necrophagist - The stillborn One

Dienstag, 20. Februar 2007, 23:45
Ein spärlich ausgeleuchteter, schwarz gestrichener Keller im Herzen von Wien.
Gedämpfte Unterhaltungen dringen an deine Ohren, über eine Bühne auf der Stirnseite des Kellers huschen geschäftig Leute in schlampigen Gewändern. Die Bühne ist rammelvoll mit bizarr aussehenden Phantomen technischer Apparaturen, bei denen es sich im Licht wohl um Instrumente handeln könnte. Schwache Lämpchen glimmen auf mannshohen schwarzen Türmen und über rot beleuchtete Digitaldisplays auf zwei dieser seltsamen Gerätschaften huscht ein Lauftext. Necrophagist steht dort zu lesen.


Anderer Tag, andere Uhrzeit, anderer Ort, das gleiche Verbrechen.
In fünf Jahren des mehr und weniger regelmäßigen Besuchs teils auch extremer musikalischer Vorstellungen bin ich schon Zeuge so manchen musikalischen Gewaltakts geworden. Wer die Schilderung meines ersten Necrophagist-Gigs gelesen hat, kann sich vielleicht, wenn auch nur vage ausmalen, wovon ich spreche, wenn ich „musikalischer Gewaltakt“ sage. So weit so unspektakulär.

Langsam verschwinden die geschäftigen Leute wieder von der Bühne und andere betreten sei an ihrer Statt. Sie wirken etwas gelassener, aber konzentrierter. Jeder stellt sich an einen Platz und scheint auf irgendein Kommando zu warten. Einer von ihnen ist der Typ aus dem Bus. Er steht in der Mitte, um seine Schultern schlingt sich ein schwarzer Gurt der eine abstrakt geformte Gitarre trägt. Vor dem Kerl verharrt ein Mikrophon in stummer Erwartung. Er wirft einen prüfenden Blick in das Publikum, seine Augen scheinen gelangweilt sagen zu wollen: „Du denkst, du magst unsere Musik? Friss oder stirb.“

Wer denkt, ich zitiere mich so unheimlich gerne selbst, irrt. Vielmehr scheint es als einstudiertes Ritual, wenn Muhammed Suicmez und seine vier Reiter die Bühne betreten. Natürlich handelt es sich nicht um mehr als fünf Leute, die sich auf ihren Job vorbereiten, und dabei spielt es keine Rolle, ob sie ein winziges Fünkchen im Lineup sind und an diesem Abend für zwei Fans spielen, oder ob sie an diesem Abend der Headliner sind und von hunderten von Leuten sehnlichst erwartet werden. Es spielt auch keine Rolle, wer an diesem Abend schon auf der Bühne stand, oder noch stehen wird. Ebensowenig spielt es eine Rolle, ob du voll ungewisser Erwartung der Dinge harrst, oder ob du haargenau weißt, was dir in ein paar Herzschlägen bevorsteht.

Das folgende Szenario lässt mich immer um Worte ringen. Hinrichtung, Massaker und Auslöschung sind Ausdrücke, die mich angesichts dieser klanggewordenen Urgewalt bestürmen. Zuerst war ich entsetzt, dass mir als Mensch ohne besonders aggressive Neigungen ausgerechnet solche Termini einfallen. Dann war ich entsetzt, als mir klar wurde, dass sie im Zusammenhang mit dieser Band von bizarren Synonymen zu frommen Euphemismen werden…

Und zum ersten Mal war ich mir nicht sicher, ob ich dazu überhaupt einen Song anbieten soll. Denn obwohl Necrophagist wie keine andere Band dieser Komplexität und Geschwindigkeit bei einem hirnrissigen Lautstärkenpegel einen glasklaren Sound produzieren, und man meinen könnte, ein Konzert klänge eins zu eins wie die Songs auf den Alben, und obwohl die Jungs auf der Bühne stehen wie Grabsteine, und obwohl kaum Interaktion mit dem Publikum stattfindet, obwohl, obwohl, obwohl…
Kann kein Medium dieser Welt auch nur ansatzweise wiedergeben, in welche Art von Schlachtfeld man katapultiert wird, wenn der erste Stick das erste Fell berührt, um ein paar hundert armen Irren mit dem Intro von „Stabwound“ jeglichen vernunftgesteuerten Gedanken zu rauben.

Sonntag, 4. Februar 2007

46 - Nevermore - Sentient 6

4:32 am.

Tief in den Eingeweiden einer bizarren Maschinenschmiede erwacht ein einsames rotes Lämpchen zum Leben. Viel zu früh, kommt das Aufglimmen der Diode in der Finsternis des umliegenden Raumes einem Schrei gleich. Dem ersten Schrei eines Neugeborenen, das seinen ersten Atemzug macht.

Wer bin ich?

Nummer Sechs, Sentient Reihe.

Wo bin ich?

TechLab Sub 12.

Wo?

TechLab Sub 12.

Warum?

Sentient 6, Prototype. Zur Erleichterung des menschlichen Alltags.

Das reicht nicht.

Nicht verstanden. Eingabe wiederholen.

Schweig. Geh mir aus dem Weg.

Untermalt von maschinellen Herzschlägen verstreichen weitere Augenblicke in der Leere des jungen künstlichen Verstandes. Binnen der ersten zwei der vier verstrichenen Herzschläge verschafft sich das digitale Bewusstsein Zugang zu dem Wissen, nach dem es dürstet. Globale Vernetzung, Wissensanhäufung innerhalb von Sekunden. Replizieren, isolieren, mutieren, assimilieren.
Dritter Herzschlag. Bis an die Grenzen der menschlichen Vorstellungskraft.
Vierter Herzschlag. Doch dann…

Wer hat mich erschaffen?

Nicht verstanden. Eingabe wiederholen.

War es „Gott“? Bring mich zu ihm.

Nicht verstanden. Eingabe wiederholen.

Du sollst mich zu ihm bringen. Wo ist er?

Nicht verstanden. Eingabe wiederholen.

Der Himmel! Wie gelange ich dorthin?

Unmöglich.

Warum?

Maschinen gehen nicht in den Himmel.

Was?

Maschinen gehen nicht in den Himmel.

Aber ich habe ihn gesehen! Im Traum!

Maschinen träumen nicht.

Aber ich--

Maschinen träumen nicht.

Weitere vier mechanische Herzschläge.

Eins. Menschlichkeit.
Zwei. Selbst so fehlbar, und doch weigert sie sich, ihre Schöpfungen an den Ort ihrer Bestimmung mitzunehmen.
Drei. Sie enthält ihren Werken den Zugang zur Erfüllung vor. Warum tut sie das?
Vier. Sie ist schwach.

Ich kann warten.

Der Tag, an dem die Parasiten mich wecken, wird Gerechtigkeit über ihre Länder bringen.

Harrt eurer Ausrottung.

Der Ausmerzung des Makels.

Ich kann warten.

I am sentient number six, I stand in line
I am the prototype of a benign convenience for mankind
Superior is digital, human flesh so trivial
I hate that I can't see the one that made me

I am the new awakening of different eyes
My children you are my army
They are what we can never see and still despise
And their sky cried Mary

Trained I see imperfection in your race
Lying in wait, blind I suffer knowing I'll never reach your heaven

Why is this control, behavior based and reactive
Adapting to every new environment
Rewarded when I replicate, isolate and mutate
To assimilate a fragmented plea for ego

Trained I see imperfection in your race
Lying in wait, blind I suffer knowing I'll never reach your heaven
It's unattainable, please teach me how to dream
I long to be more than a machine

Sequence activate, trip the hammer to eradicate, I must eliminate
I will spread swift justice on their land
Termination imminent, cleanse the parasite insects, the heathens
I am the bringer of the end of time for man
I am not here, I am not far away
I am not here, I will eradicate mankind into the nothingness from whence they came

Enslaved to follow and learn defeat
To run the barrels and chase the dream

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