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Montag, 12. März 2007

49 - Iron Maiden - Flight of Icarus

Es war zwar nicht 1991 und auch nicht auf der Fahrt zum Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald. Es war auch nicht Guns ’n’ Roses, aber es fand definitiv statt. Und das fast auf die gleiche Art.

Mein Einstieg in diese wunderlichen Heavy-Metal-Welten fand irgendwann im Frühjahr oder Sommer des Jahres 1999 statt. Es war auch ein Wandertag und ein Freund ließ mich auf der Busfahrt mit seinem Walkman mithören. „Was ist denn das?“, fragte ich zuerst mich und dann ihn, denn irgendwie gefiel mir die Musik. Eingängiger Refrain, das war auch schon alles, was ich damals von Musik verlangen konnte oder wollte. „Iron Maiden“, sagte er schulterzuckend. Das also waren Iron Maiden! Ich kann mich noch genau an meine Überraschung erinnern. Ich kannte Iron Maiden. Das war doch diese Band, die diese unfassbar gruseligen Albencovers hatte, die mir unter den Platten meines Bruders im Alter von acht sofort ins Auge gefallen waren. Ein spezielles dieser Cover sehe ich vor mir, als wäre es gestern gewesen, dass ich es als Dreikäsehoch in der Hand hielt und mit morbider Faszination jedes noch so kleine Detail der Zeichnung auf dem Booklet in mich aufnahm. „Live after Death“ heißt die Platte und das Cover zeigt, wie könnte es anders sein, Eddie, der aus einem aufgebrochenen Grab steigt, bei Blitz und Donner, mit rasselnden Ketten und umherfliegenden Erdbrocken. Was für ein Bild!



Ich habe damals wochenlang nach der Schule nur Eddies gezeichnet. Leider finde ich keinen der künstlerischen Ergüsse mehr, denn für mein zartes Alter hat das gar nicht mal so schlecht ausgesehen ;)

Also das hat jedenfalls ein gewisses Einprägungspotential bei einem Achtjährigen. Damals dachte ich, das müsste ja furchtbar klingen, so wie es aussieht. Wie genau, hab ich mich aber nie gefragt. Und dann auf einmal höre ich dieses Lied von Iron Maiden. Das klang überhaupt nicht so, wie ich mir das vorgestellt hätte. Rhythmisch, luftig, treibend, beschwingt. „Wie heißt das Lied?“, fragte ich mit gewecktem Interesse. „Flight of Icarus“, kam die kurze aber ausreichende Antwort und seit jenem Augenblick nahm alles einen stetigen Lauf. Manchmal schneller, manchmal langsamer, aber die musikalische Evolution, die das auslöste, dauert bis heute an und es ist kein Ende in Sicht.

"Im Sommer tust du gut und im Winter tut's weh..."

Berlin ist grandios am Potsdamer Platz,
Berlin ist geschichtsträchtig am Brandenburger Tor und am Reichstag und am Bundestag,
Berlin ist historisch am Checkpoint Charlie und der East Side Gallery,
Berlin ist malerisch an der Spree,
Berlin ist grün im Tiergarten und im Grunewald,
Berlin ist ein Dörfchen in Dahlem,
Berlin ist Großstadt am Alexanderplatz,
Berlin ist schmutzig und cool in Kreuzberg,
Berlin ist funky am Prenzl'Berg,
Berlin ist Sonne und Ferien im CANS (Café am neuen See),
Berlin ist Wissenschaft in der langen Museumsnacht,
Berlin ist Ausland im Wedding,
Berlin ist die beste Kneipenmeile der Stadt,
Berlin ist Kapitalismus pur im KaDeWe,
Berlin ist mal eine Insel gewesen,
Berlin ist Aufstieg und Niedergang,
Berlin ist voll liebenswerter Idioten und großer Geister,
Berlin ist verrückt bei der Love Parade,
Berlin ist bunt und international beim Karneval der Kulturen und CSDs
Berlin ist fantastisch...

Meine kleine Liebeserklärung an diese herrliche, laute, vollgesmokte und charmante Stadt aus gegebenem Anlaß. Ich könnte die Liste noch beliebig fortsetzen, aber was ich sagen will ist wohl klar geworden.
Diesen Herbst sind es 10 Jahre, die ich schon in Berlin bin. 10 Jahre ist verdammt lange, insbesondere, wenn man eigentlich nur auf der Durchreise ist. War ja nicht geplant, das ich hier bleibe, ich wollte bloss ein bisschen was studieren und dann weiterziehen. Aber was soll denn noch kommen? Hier in Deutschland gibt es keine Stadt, die vergleichbar wäre, man könnte höchstens noch nach New York oder London ziehen. Das mag vermessen klingen, aber das ist ja auch nur meine subjektive Meinung und ich bin verliebt. Man neigt dazu, ausserhalb dieser Stadt nicht mehr viel wahrzunehmen und tendiert dazu, erstaunt zu sein, wenn Großevents in anderen Städten stattfinden, deren Existenz man mal wieder erfolgreich verdrängt hatte. Wann immer man Werbespots sieht oder in Deutschland produzierte Serien: man erkennt die bekannten Straßen, man sieht die vertrauten Plätze und fühlt sich am Nabel der Welt. Schon wieder übertrieben, ich weiss...

Ich werde jedenfalls hierbleiben. Klar, ich bin jetzt hier verheiratet und so weiter, aber auch diesen Umstand würde ich vermutlich hier nicht wieder kommen. Ich klebe im Netz wie eine Motte, nur das ich nicht wegwill.
Ich werde oft von meiner im Dorf verbliebenen Familie oder Freunden gefragt, ob die Anonymität nicht schrecklich ist. "Man könnte ja hier wochenlang tot in seiner Wohnung liegen und niemand würde es merken." Da kann ich nur sagen: Nein, denn wenn man so einsam ist, das einem sowas passiert, dann kann das überall passieren und hat nicht das geringste mit Großstadt zu tun. Allerdings finde ich es bedenklich, das das eine der meistgestellten Fragen ist, ich muss dringend mal rausbekommen, warum alle Dorf-Bekanntschaften eigentlich so an diesen morbiden Gedanken hängen. Außerdem ist es herrlich! Wenn ich mich verrückt anziehen will, dann interessiert das hier niemanden. Wenn ich nachts betrunken auf der Strasse tanzen wollte, dann würden die Berliner höchstens belustigt den Kopf schütteln oder im Zweifelsfall mittanzen. Wenn ich lachen, weinen oder einen Wutanfall kriegen will, kann ich das tun, ohne das sich ganze Straßenzüge darüber das Maul zerreißen. Wenn ich eine dreisprachige Kita für mein Sternchen suche, dann finde ich sie leicht.. egal was es ist, hier kann man es bekommen. Ich liebe die Anonymität und genauso liebe ich es, wenn ich plötzlich auf dem Bergmannkiez ein bekanntes Gesicht entdecke.
"Ist Berlin nicht schrecklich groß? Wie findet man sich da denn zurecht?" Na, das ist ja wohl leicht: mit dem Stadtplan! Oder man liest halt die Zitty oder den Tip und dann weiß man, wo was läuft. Abgesehen davon: nein, so schwer ist es nicht, es gibt die Hauptschlagadern und ein gutes Nahverkehrsnetz (was zu teuer ist und es gehört natürlich zum guten Ton, über die Öffis zu schimpfen, aber das nur am Rande...), so schwer ist das wirklich nicht. Und wenn alles nichts hilft: let it flow... du wirst schon ankommen, vielleicht nicht am ursprünglich geplanten Ziel, aber irgendwo sicher und da ist es dann auch schön.
"Berlin ist doch sicher dreckig und laut und voller Autos." Himmel, ja. Aber niemand hat euch einen Rosengarten versprochen! Es ist so, aber es ist nicht so schlimm, denn es gibt Oasen und die grüne Lunge.
Im Winter kann es furchtbar trostlos und grau sein, man mag manchmal gerade verrückt werden, weil man diese Stadt so trostlos finden kann. Aber es muss nur ein Sonnenstrahl kommen und schon kommen die Berliner aus ihren Löchern. Sie kommen hervor, tragen Sonnenbrillen und setzen sich hin, wo immer ein Baum oder See ist, in eins der ungezählten Straßencafés und sie tragen ihre Szenegetränke durch die Gegend, die Nase in die Sonne gereckt und sie sind dann fröhlich und nett zueinander und Fremden. Die meisten kommen ja ohnehin nicht von hier, sind also mithin Fremde. Man ist hier zuhause, man wohnt hier und hat seine Heimat hier, aber man kommt nicht von hier und pflegt seine Erinnerungen an die "alte" Heimat. Das macht es so schön hier. Und deswegen ist die im Titel zitierte Textzeile so treffend, im Sommer tut es gut, hier zu sein und wärmt das Herz, man gehört zum großen Ganzen, aber im Winter tuts weh.

Es gibt nur einen wirklichen echten grandiosen Minuspunkt: Man sieht keine Sterne am Himmel über Berlin. Der Himmel hier sieht immer so aus, als hätte jemand sehr schlampig eine Tafel mit einem Schwamm gewischt, der schon voller Kreide war. Es wird nicht dunkel hier, es wird nur ein bisschen weniger hell. Wenn es noch Sterne gäbe, wäre es perfekt.

Sehr perfekt ist das Gefühl eingefangen im Song "Dickes B" von Seeed. Unsere local heroes, die jede Bühne rocken, egal ob man auf diesen Musikstil abfährt oder nicht. Ich weiß nicht, inwiefern die 11-köpfige Combo auch ausserhalb von Deutschland bekannt ist, aber zumindest in Frankreich haben sie einigen Bekanntheitsgrad erreicht. Zu Recht, wie ich finde. Obwohl es eigentlich nicht meine Richtung ist, mag ich die Jungs. Wem sie jetzt nicht so bekannt vorkommen, dem würde ich gerne die folgende Seite ans Herz legen: Wiki Seeed (joar, da hätte man auch von alleine drauf kommen können ;-) )

Und dann natürlich die beiden folgenden Clips:
dickesb (rmm, 0 KB)

musicmonks (rmm, 0 KB)

Schöner wäre gewesen, ich hätte nur die Musik gehabt, aber naja, man kann nicht alles haben.

Ich wünsche euch viel Spaß... und ich geh jetzt mit dem Sternchen eine Runde durch "meine" Stadt *winkt*. Heute scheint nämlich die Sonne und ich muss dringend einen großen Caramelito mit fettfreier Milch durch die Gegend tragen, bis ich eine Bank gefunden habe, die perfekt ist um die Nase in die Sonne zu recken und meine Mitmenschen fröhlich anzulächeln.
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