Der Lyron ist unter die Blogger gegangen. Nicht so wie wir hier (was eigentlich echt schade ist, er hat nämlich enormes Schreibtalent, aber er weigert sich standhaft, es auszunutzen), sondern als Fotograf. Aber das macht er auch sehr gut. Und im Gegensatz zu hier, wo ich mich auf die von Twoday.net bereitgestellte Software verlasse, hat er sein Blog selber programmiert. Das kann er nämlich auch, das Genie, das verdammte. Will er vermutlich auch nicht hören und er kriegt dann wieder rote Ohren oder so, aber ich kann echt nicht auf alles Rücksicht nehmen ;).
Und weil das bestimmt ne feine Sache wird, wenn er endlich mehr Fotos drin hat, wird er natürlich auch gelinkt. Zu erreichen hier:
Lyrons Blog oder über die Linkliste.
Salienne - 11. Jan, 16:44
Saliénne öffnet die Augen und blinzelt in das helle Sonnenlicht. Es ist bereits später Morgen und der Raum, der eindeutig elfisch ist, wird von Licht durchflutet. Auf dem Kissen neben ihr liegt ein blauseidiger, zerzauster Haarschopf und sie lächelt, als sie die Elfe erblickt. Die junge Elfe schläft tief und fest, seufzt nur einmal leise im Schlaf. Sie zieht die leichte Decke sanft beiseite und betrachtet die schlafende Schönheit einen Moment, streicht ihr eine dunkle Haarsträhne aus dem makellosen Gesicht. Saliénne streckt sich und fühlt sofort wieder den Schmerz in den geprellten Gliedern und der tiefen, verbundenen Schnittwunde am Oberarm. Sie bedeckt die Schlafende wieder, steht so leise wie möglich auf und schlüpft in ihre Robe. Sie verlässt den Raum und zieht sich erst vor der Tür ihre Stiefel an und all die anderen Sachen: die martialisch wirkenden Schulterstücke, den langen schwarzen Mantel, den kostspieligen Gürtel und die magiegewirkten Handschuhe. Sie wiegt ihren schwarzen Dolch einen Moment in Händen, betrachtet sein sanftes blaues Schimmern, die eingeritzten Buchstaben und lässt ihn dann mit einem tiefen Seufzen unsichtbar in ihrem Stiefel verschwinden. Zuletzt bindet sie sich auch die Maske vors Gesicht, ihre ständige Begleiterin in der letzten Zeit, und macht sich auf die Suche nach der Gastwirtin. Sie bezahlt sie großzügig und sorgt dafür, dass niemand den Schlaf der Elfe stört. Sie weiß, das es nicht nötig ist, eine Nachricht zu hinterlassen, die Elfe weiß, das sie sich melden wird, irgendwann.
Im Gastraum wartet bereits eine andere Elfe, klein und drahtig, verstohlen und unauffällig wie ein Schatten. Leise wispern sie miteinander und kurz darauf ist die kleine Elfe verschwunden, ohne eine Spur zu hinterlassen. Sally lächelt fein und verlässt ebenfalls das Gasthaus, bindet ihren Säbler los, der bei den Ställen angebunden ist und macht sich auf den Weg.
Der Ritt strengt sie an, ihre Hände schmerzen und sind eiskalt, wie üblich. Die Wunde am Arm tut weh und die Schmerzen in den Armen und Beinen machen es ihr schwer, sich im Sattel zu halten. Saliénne ist an Schmerzen gewöhnt, immer wieder gehen die Experimente schief, so wie gestern. Sie hatten es endlich geschafft, eine Kugel aus reiner magischer Energie zu beschwören, doch das Gefüge war nicht stark genug, um die Strukturen zu halten und noch ehe sich die Magier versahen, war sie mit einem ohrenbetäubenden Knall und einer heftigen Druckwelle explodiert. Alle Anwesenden wurden durch die Explosion nach hinten geschleudert, Phiolen und Glasgefäße auf den Tischen explodierten und Bücher wurden durch den Raum geschmettert. Zwei der anwesenden Magier waren bei ihrer Abreise am Abend noch bewusstlos, insofern konnte sie von Glück sprechen, so glimpflich davon gekommen zu sein. Endlich erreicht sie den Hafen, wo sie das nächste Schiff zu den östlichen Königreichen nimmt.
Einen langen Greifenritt später erreicht sie schließlich Nethergarde und begibt sich auf dem schnellsten Weg in den Turm. Noch immer sind die Spuren der Verheerung zu sehen, obwohl hier sichtlich aufgeräumt wurde. In der Mitte des Raumes sind schwarze Schmauchspuren auf dem Boden und an der Decke von den gescheiterten Versuchen und die Gläser auf den Experimentiertischen wurden noch nicht wieder ersetzt. Nur ein einziger Magier ist heute bei der Arbeit und es ist klar, das es noch Tage dauern wird, bis sie sich an den nächsten Versuch wagen können. So setzt sie sich an einen der Schreibtische und schlägt ihr Notizbuch auf, versucht Ordnung in verschiedene Gedanken zu bringen:
(undatiert)
Sie ist meine Achillesferse, meine Schwachstelle. Sie macht mich verletzlich und angreifbar und genau das will ich um jeden Preis vermeiden. Aber ich habe die Freveltat begangen und sie den Blutschwur schwören lassen. Mich graust bei dem Gedanken an ihren eifrigen Blick als ich das Unsägliche von ihr verlangt habe. Sie tat es ohne zu wissen, was es wirklich bedeutet und nun sind wir verbunden. Ich kann sie nicht mehr schützen, wenn irgendjemand sie gegen mich einsetzten wollte. Warum kann ich nicht einfach bei den harmlosen Affären bleiben? Bei den Unwichtigen, die mir mein Bett wärmen des Nachts und mich davon abhalten, ungebetene Gedanken zu denken? Ich scheue mich nicht, Menschen oder andere Wesen zu benutzen, wenn es mir beliebt. Ich nutze ihre verliebte Idiotie aus, ihre Faszination für das, was sie glauben in mir zu sehen. Sie sehen nur eine Illusion, ein Bild, das ihnen gefällt, sie sehen, was ich sie sehen lasse. Außer ihr... sie kennt mich. Und abgesehen davon: Schwur oder nicht, sie würde ohnehin nicht gehen. Sie ist bisweilen naiv, aber was mich angeht scheint sie auch entschlossen, sich niemals und durch nichts abweisen zu lassen. Kein Argument kann sie dazu bringen, mich nicht mit leuchtenden Augen anzusehen, wann immer ich sie treffe. Sie hat nicht mal Angst, wenn ich sie mit nach Nethergarde nehme. Sie scheint auch nicht im geringsten zu verstehen, was dort vor sich geht und glaubt, sie könne mich mit ihrem Schwert schützen. Aber das ist meine Schuld, weil ich ihr nicht die Wahrheit sage über das, was ich treibe, wenn ich für Tage und Wochen verschwunden bin. Bisweilen ist ihr Blick ängstlich, wenn sie mich mustert und meine kalte Haut fühlt, sie sorgt sich, wenn sie sieht, wie ich Eis hinterlasse, wo immer ich mich hinsetze und sie fürchtet um meinetwillen, was ich tue. Sie ist meine Brücke in mein altes Leben, die Letzte, die mir geblieben ist, obwohl ich doch alle Brücken abreißen wollte. Aber diese letzte Verbindung kann ich nicht kappen, so kalt kann selbst ich nicht sein.
Ob ich sie liebe? Das weiß ich nicht... Liebe sollte ein warmes Gefühl hinterlassen, sollte das Herz erreichen und die Gedanken binden. Das ist nicht der Fall. Kann ich noch lieben? Ich weiß es nicht, alle Gefühle sind so kalt, wie eingefroren fühle ich mich und da ist keine Herzenswärme. Nur hin und wieder ein Stich wie von schlechtem Gewissen: wenn ich sie verlasse um auf unbestimmte Zeit wieder zu verschwinden, wenn ich Perrendor suche und finde und eine Weile beobachte ohne mich zu erkennen zu geben, wenn ich an all die armen Teufel denke, deren Leben ich ohne mit der Wimper zu zucken genommen habe. Aber auch das wird bald aufhören.
Keine Reue mehr.
Ich tue, was ich tue.
Ich bin, was ich bin...
Salienne - 11. Jan, 15:27